Vorstandschef erhofft Ende des Streits um EU-Beihilfen
Mobilcom will Vertrieb via Internet einstellen

Der Büdelsdorfer Mobilfunkdienstleister Mobilcom AG will seinen Online-Shop für den Direktvertrieb von Mobilfunkverträgen dichtmachen. Damit will der neue Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr eine rechtliche Auseinandersetzung mit der EU-Kommission schlichten, um die endgültige Genehmigung für die EU-Beihilfen zu erhalten. Die Einigung mit den Brüsseler Wettbewerbshütern soll möglicherweise noch in dieser Woche erfolgen, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen von Mobilcom.

HAMBURG. Die Büdelsdorfer hatten bereits vergangene Woche den Online-Shop vorübergehend geschlossen. Ein Sprecher von Mobilcom hält sich hierzu auf Anfrage bedeckt: "Wir sprechen derzeit mit der EU-Kommission und werden uns wieder dazu äußern, sobald die Gespräche beendet sind." Die EU-Kommission war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Hintergrund hierfür ist, dass der frühere Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz im vergangenen Jahr gegen die Entscheidung der EU-Kommission Beschwerde eingelegt hatte. Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde hatte damals mitgeteilt, die millionenschweren Staatsbeihilfen für Mobilcom nur unter der Bedingung zu genehmigen, dass die Büdelsdorfer den Online-Direktverkauf von Handyverträgen für sieben Monate schließen. Damit wollte die EU-Kommission einen Ausgleich für Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Konkurrenten schaffen. Die Büdelsdorfer hatten vor einigen Jahren vom Bund und vom Land Schleswig-Holstein Garantien für ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über rund 112 Mill. Euro erhalten. Mit dieser millionenschweren Finanzhilfe war der Mobilfunkdienstleister nach dem Rückzugs des ehemaligen Großaktionärs France Telecom in der Lage, eine drohende Insolvenz abzuwenden.

Eine Schließung des Direktvertriebs von Mobilfunkverträgen unter der Internetadresse www.mobilcom.de hätte kaum Auswirkungen auf das Neugeschäft der Büdelsdorfer. Denn Mobilcom vertreibt seine Mobilfunkverträge vor allem über den stationären Handel sowie Fachhändler. Über den Online-Shop erhält die Gesellschaft hingegen jährlich lediglich zwischen 20 000 bis 30 000 Neukunden, heißt es in Kreisen von Mobilcom. 2004 hatten die Büdelsdorfer brutto mehr als 1,7 Mill. Kunden gewonnen.

Analysten meinen, dass sich die finanziellen Einbußen durch die Schließung des Online-Vertriebs in Grenzen halten. "Mobilcom würde hierdurch jährlich einen Umsatz von rund vier bis fünf Mill. Euro verlieren, unterstellt man, dass ein Kunde monatlich rund 20 Euro vertelefoniert", rechnet ein Analyst einer Frankfurter Großbank vor. Der Gewinn dürfte hingegen um 0,8 Mill. Euro geringer ausfallen. Mobilcom hatte 2004 bei einem Umsatz von rund 1,9 Mrd. Euro ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 94,3 Mill. Euro erwirtschaftet.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen von Mobilcom erfuhr, arbeitet der Vorstand derzeit aber bereits an einer Alternative, um den Direktvertrieb über das Internet weiter zu ermöglichen. Danach sollen Online-Kunden auf eine Hotline verwiesen werden. Dort können sie telefonisch einen neuen Vertrag bestellen. Sie können sich aber weiterhin via Internet über die neuesten Tarife und Konditionen eines Vertragsabschlusses informieren. Der Kurs von Mobilcom sank um 0,5 Prozent auf 19 Euro.

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