Zahlen per Handy
Bill Gates will Haitianern mobiles Bezahlen ermöglichen

In Haiti gibt es nur wenige Bankfilialen, eine Transaktion kann einen halben Tag dauern. Geldautomaten sind häufig leer. Microsoft-Gründer Bill Gates wirbt für den Geldtransfers per Handy und investiert Millionen.
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Port-au-PrinceGeldgeschäfte sind in Haiti kompliziert: Es gibt nur wenige Bankfilialen, von denen die meisten in der Hauptstadt liegen, eine einfache Transaktion kann einen halben Tag dauern und auch Geldautomaten sind selten, oft sind sie kaputt oder leer. Und dann lauern auch noch Diebe in der Hoffnung auf schnelle Beute. Hilfsorganisationen werben daher für eine Alternative: Geldtransfers per Handy.

Die US-Regierung und die Stiftung von Bill und Melinda Gates haben bereits Millionen Dollar in den Plan investiert. Die Nutzer sollen Geld auf ihren Handy-Konten sparen und überweisen können. Auszahlungen sind in Geschäften im ganzen Land möglich. Allerdings sind bisher nur wenige Haitianer überzeugt, das Misstrauen ist groß. Verständlich, schließlich konnten viele Projekte, die nach dem schweren Erdbeben im Januar 2010 mit großem Engagement gestartet waren, die Hoffnungen nicht erfüllen.

"Ich investiere mein Geld nicht in etwas, das ich nicht sehen kann", sagt der 33-jährige Lastwagenfahrer James Alexis, während er in einer Bank in Port-au-Prince ansteht. "Es könnte ein Trick sein."

Die Geldgeber räumen ein, dass die Umsetzung des Plans langsamer verläuft als erwartet. Sie bleiben allerdings optimistisch, weil viele Haitianer ein Handy besitzen. 800.000 von ihnen haben sich für den neuen Dienst registriert, allerdings nutzen nur 22.000 ihn regelmäßig.

Millionen von Gates-Stiftung und USAID

Die zuständige Direktorin der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID), Greta Greathouse, erklärte, der Dienst sei ungeachtet politischer Gewalt und Instabilität, Cholera und Gasknappheit entwickelt worden. "Bedeutet das, dass wir es geschafft haben? Nein. Wir wollen, dass es nachhaltig funktioniert und wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Zehn Millionen von der Gates-Stiftung

Die Gates-Stiftung hat zehn Millionen Dollar in das Projekt investiert, weitere fünf Millionen kamen von USAID. Die Idee bestand darin, mit der Haiti Mobile Money Initiative den rund 90 Prozent der Haitianer zu helfen, die keine Banken nutzen. Ähnliche Systeme sind in Kenia, Uganda oder den Philippinen bereits populär. Zwei Anbieter, Digicel und Voila, bauten Transfersysteme auf.

Damit kann jeder Nutzer bis zu 250 Dollar auf einmal an einen anderen überweisen. Der kann sich das Geld dann in einem Geschäft auszahlen lassen, zum Beispiel in einem Autoteilehandel oder einem Internet-Café. Bis zu 1.500 Dollar können innerhalb eines Monats überwiesen werden. Internationale Geldtransfers sind noch nicht möglich.

Handy-Nutzer sind misstrauisch

Der frühere Vorstandsvorsitzende von Digicel in Haiti, Maarte Boute, sagte auf einer Konferenz in Barcelona im Februar, es sei nicht einfach, die Kunden zu überzeugen. "Wir hatten angenommen, es wäre so einfach wie ein Mobiltelefon zu verkaufen", sagte er weiter. Fast jeder könne es schnell nutzen, weil es so einfach zu verstehen sei. "Ein mobiler Transferdienst ist nicht so einfach."

Auch die Hilfsorganisation World Vision stieg in das Projekt ein, um Mietzuschüsse leichter auszahlen zu können. Leiter Keith Chibafa erklärte, die Menschen seien misstrauisch. Hinzu komme, dass in einem Fall in einem Flüchtlingslager außerhalb der Hauptstadt einem Partner das Geld ausgegangen sei.

Der Taxifahrer Ernst Figaro sagt, er traue dem neuen Dienst nicht mehr als den Banken. Andere wie Wilner Destina sind dagegen begeistert. Der 40-jährige Straßenmaler registrierte sich vor sechs Monaten, weil er nicht immer stundenlang in den Banken anstehen wollte. Jetzt sei der Geldtransfer einfach, erklärt er.

Digicel-Direktor David Sharpe hofft auf mehr Kunden wie Destina. Er lockt mit einer Lotterie auf dem Handy und will später auch internationale Überweisungen ermöglichen. Weitere Nutzer wird ein Regierungsprogramm bringen, das 100.000 Mütter belohnen will, die ihre Kinder zur Schule schicken.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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