Digitale Helfer
Wenn die Datenbrille den Lift ins Treppenhaus beamt

Die IT-Konzerne mühen sich, den Industriefirmen den Einstieg in die Digitalisierung zu erleichtern - mit Vorteilen für beide Seiten. Ein Thema, das aber auch noch offene Fragen wie etwa Datensicherheit in sich birgt.
  • 0

HannoverDie Kundschaft ist anspruchsvoll und wählerisch - und hat keine Zeit zu verlieren. Wenn sich ältere Menschen nach langem gedanklichen Hin- und Her einmal dazu durchgerungen haben, einen Treppenlift zu bestellen, weil sie ohne nicht mehr die Stockwerke wechseln können, muss es meistens schnell gehen. "Am liebsten von einem Tag auf den anderen", sagt Andreas Schierenbeck, Chef der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp.

Doch so einen Lift ins Treppenhaus einzubauen, geht nicht mal so hopplahopp: Der verfügbare Raum muss aufwändig ausgemessen werden, die Führungsschiene ist ein Unikat und wird bei einer Thyssen-Krupp-Tochter in den Niederlanden gefertigt. Bislang vergehen bis zu sieben Wochen zwischen Bestellung und Einbau. Viel zu lang dachte sich Schierenbeck - und nahm Kontakt mit Microsoft auf.

Auf der Hannover Messe stellen beide Konzerne nun eine Lösung vor, wie mit Hilfe von HoloLenses der Zeitraum auf zehn Werktage verkürzt werden kann. Die von Microsoft entwickelte digitale Brille ermöglicht interaktive Projektionen in einer natürlichen Umgebung. So kann der Vertriebsmitarbeiter einfach und in null-komma-nichts die Treppenmaße aufnehmen, per Fingerschnipp die Führungsschiene nach links oder rechts ausschwenken lassen, kleine Hindernisse wie einen Wandvorsprung umgehen und den älteren Herrschaften anschließend zeigen, wie sich ihr künftiger Treppenlift in die Wohnumgebung einpasst. Stimmen sie der Lösung zu, werden die erhobenen Daten gleich in das Herstellungswerk rübergeschickt. "Das neue Verfahren ist schneller, präziser - und die Reaktion der Kunden ist erstaunlich positiv", sagt Schierenbeck.

Rund 200 Millionen Euro setzt die Treppenlift-Sparte um, die in der Thyssen-Krupp-Sparte Aufzüge angesiedelt ist. Schierenbeck verspricht sich von dem Einsatz der HoloLenses gegen Jahresende einen deutlichen Wettbewerbsvorteil über das schnelle Konfigurieren - aber auch als Vertriebsargument. "Mit Hilfe der Hologramme können Kunden eine viel detailliertere Kaufentscheidung treffen", sagt er. "Wir können mehr Lifte verkaufen und wir können sie besser verkaufen - und wir brauchen keine Nacharbeit mehr, weil etwas nicht passt."

Kommentare zu " Digitale Helfer: Wenn die Datenbrille den Lift ins Treppenhaus beamt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%