Neugründungen
Der grüne Trend in der Start-up-Szene

Obwohl die Gründerzahlen so niedrig sind wie zuletzt 2002, gibt es einen Boom in der Start-up-Branche: Grüne Neugründungen liegen im Trend und haben auf der Hannover Messe eine eigene Plattform.
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HannoverIn Hannover präsentieren sich die Großen: Rund 6500 Aussteller aus über 70 Ländern sind zur größten Industrieschau der Welt angereist – und mittendrin ein kleines Start-up. EIDOdata hat es dahin geschafft, wo es viele Unternehmen hinzieht: Auf der Hannover Messe 2015 präsentieren die Gründer ihre Geschäftsidee erstmals einem großen Fachpublikum: eine Software, die Prozessdaten clever auswertet und dem Anwender zeigt, wie er seine Produktion optimieren kann – zugunsten seiner Kostenbilanz und ebenso zugunsten der Umwelt. In Zeiten der Energiewende spiegeln sich die Angst vor Ressourcenknappheit und das gestiegene Umweltbewusstsein in den Neugründungen wider; die Nachfrage nach klimafreundlichen Geschäftsideen, sogenannten grünen Start-ups, steigt. Zwar ist die Zahl der gesamten Neugründungen in Deutschland rückläufig, das Interesse an grünen Gründungen scheint aber größer denn je.

Im Jahr 2014 hat das Statistische Bundesamt insgesamt 585.700 Unternehmensgründungen verzeichnet. Das klingt nach einer Menge, tatsächlich sind es allerdings 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gründerzahlen sind bereits seit fünf Jahren im Sinkflug, und das ist nicht verwunderlich, denn die deutsche Wirtschaft brummt. Der Sprung in die Selbstständigkeit scheint da unnötig risikoreich und reizlos.

Ganz anders ist dagegen die Situation bei den grünen Start-ups: Der Green Economy Gründungsmonitor 2014 zeigt an, dass in dem Bereich von 2006 bis 2013 rund 170.000 Unternehmen in Deutschland an den Start gegangen sind. Damit machen Green Start-ups hierzulande einen Anteil von rund 14 Prozent aller Gründungen aus. Die grünen Gründer sorgen damit für Bewegung in der Szene. Während der Energiesektor lange großen Konzernen vorbehalten war, bieten sich mit der Energiewende Chancen für Start-ups. Deren Innovationspotenzial ist gefragt, um die Energiebranche der Zukunft zu gestalten.

Eine gute Idee ist aber noch kein Garant für ein erfolgreiches Unternehmen. Häufig fehlt es den Start-ups an Geld oder Erfahrungen, weiß Matthias Wischnewsky, Projektmanager beim Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). Spezielle Programme für Gründer sind daher in der Anfangsphase für die Beteiligten oft eine große Unterstützung. „Häufig werden diese Start-ups durch das Förderprogramm EXIST unterstützt, was ihre Chancen in der frühen Phase der Unternehmensgründung deutlich erhöht. Doch gerade Green Start-ups können mehr Unterstützung erhalten.“ Grüne Gründungen sind häufig Teilnehmer von Businessplanwettbewerben. Mit KUER gibt es einen Wettbewerb speziell für sie. „Damit unterstützen wir Gründungen aus den Zukunftsbranchen Klima, Umwelt, Energie und Ressourcenschonung“, erklärt Roland Kirchhof, Geschäftsführer der Startbahn Ruhr, dem Ausrichter des Wettbewerbs.

Die KUER-Sieger 2014 sind in diesem Jahr wieder bei der weltgrößten Industriemesse zu Gast, wo die grünen Neugründungen im „Green Solution Center“ eine Plattform bekommen. Bei dem ersten branchenspezifischen Wettbewerb konnte vergangenes Jahr Membrasenz überzeugen: Das Bochumer Team entwickelt neuartige Membranen für die alkalische Wasserelektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff. Das Element ist für zahlreiche Energieträger von großer Bedeutung, und mit den Gastrennlösungen von Membrasenz kann es ressourcenschonend hergestellt werden. Es gewährleiste die Nachhaltigkeit integritätsbasierter Energiesysteme, erklärt der Veranstalter die Geschäftsidee.

Die beiden Start-ups bei der Hannover Messe Membrasenz und EIDOdata sind Beispiele für einen viel größeren Trend: Das gestiegene Umweltbewusstsein lässt sich auch in der Start-up-Szene wiederfinden – und die Sparte befindet sich im Wachstum: Der von Roland Berger für die Bundesregierung erstellte Umwelttechnologie-Atlas geht von einem jährlichen Wachstum der Branche von 6,5 Prozent aus. Diese Einschätzung bestätigt Matthias Wischnewsky. Sein Netzwerk Business Angels fragt jedes Quartal bei den Angel-Investoren deren Markteinschätzungen ab und ermittelt die beliebtesten Investitions-Branchen.

„Meist finden sich Umwelttechnologien unter den Top 5 der Branchen wieder“, sagt Wischnewsky. „Das spricht für ein gutes Klima für grüne Start-ups auf dem Markt des informellen Beteiligungskapitals.“ Noch gebe es aber nicht so viele auf GreenTech spezialisierte Angel-Investoren und Venture Capital Fonds. Grund dafür sind laut Wischnewsky unter anderem häufig wechselnde Rahmenbedingungen. Die Politik wirft Geschäftskonzepte oft schnell wieder über den Haufen, und dementsprechend fehlt die Planungssicherheit.

Um den grünen Gründern ihre speziellen Möglichkeiten bei der Finanzierung aufzuzeigen, ist das Business Angels Netzwerk Deutschland auf der Hannover Messe vertreten.

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