Produktionstechnik
Der 3D-Druck setzt zum Siegeszug an

Dank der 3D-Druck-Technologie gewinnt der Produktionsstandort Deutschland neue Attraktivität. Doch nicht alle Unternehmen werden von den Chancen des Booms profitieren.
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DüsseldorfSeit 2016 vollzieht sich im fränkischen Ansbach Revolutionäres. In der Kleinstadt, etwa 45 Autominuten von Herzogenaurach entfernt gelegen, baut Adidas eine Pilotfertigungsanlage namens „Speedfactory“. Dank 3D-Drucktechnologie und vernetzter Maschinen sollen dort schon bald 500.000 Paar Schuhe pro Jahr gefertigt werden. Der Clou der „Speedfactory“: Sie automatisiert, dezentralisiert und flexibilisiert die Produktion von Sportschuhen und Sneakers.

Wenn ein Kunde zum Beispiel in Mainz ein bestimmtes Modell in rot-weiß gepunktet und Größe 44 haben möchte, bekommt er es. Die Kundin in Paris erhält zeitgleich ihren Wunschschuh in Camouflage in Größe 38. Das Werk ins Ansbach markiert den Adidas-Plänen zufolge nur den ersten Schritt in eine Art der Produktion, wie sie in Zukunft stattfindet. „Ziel ist es, ein globales Netzwerk automatisierter Fertigung zu etablieren, das Spitzentechnologie in Städte rund um den Globus bringt“, sagt Gerd Manz, Vice President Technology Innovation bei Adidas.

Seine Vision: „Jeder Konsument bekommt vor Ort genau das, was er will, und zwar dann, wann er es will - schneller als je zuvor.“ Möglich macht das erst die rasante Entwicklung des 3D-Drucks. Der 3D-Druck fertigt neue Gegenstände, indem kontinuierlich Materialschichten in einer zuvor definierten Form übereinander aufgetragen werden. Das Verfahren an sich ist ein alter Hut und kommt seit mehr als 20 Jahren in der industriellen Fertigung zum Einsatz.

Doch erst seit wenigen Jahren startet die Technologie richtig durch. „Moderne industrielle 3D-Drucker sind in der Lage, präzise und hochwertige Produkte unterschiedlicher Größen schnell und zu relativ geringen Kosten herzustellen. Darüber hinaus können sie komplexe Strukturen replizieren, die man mit anderen Herstellungsmethoden nicht erzeugen kann“, erklärt Markus Pfeifer, Partner bei der Unternehmensberatung Homburg & Partner. Die verarbeiteten Materialien reichen von einfachem Plastik über jegliche Art von Metall - inklusive Titan und Aluminium - bis hin zu biologischen Geweben.

Unternehmen fast jeder Branche und Größe reißen sich um die High-Tech-Drucker. Der Markt explodiert. Pfeifer vergleicht den 3D-Druck in seiner disruptiven Wirkung mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie oder der Einführung des Smartphones. Drei von vier Fertigungsstätten weltweit werden bis zum Jahr 2020 mit 3D-Druckanlagen ausgestattet sein, sagen die Forscher von Gartner voraus.

Die Ausgaben im Bereich 3D-Druck werden bis 2020 um jährlich mehr als 22 Prozent wachsen. Die für das Jahr 2016 geschätzten 13,2 Milliarden US-Dollar Umsatz weltweit sollen sich bis 2020 auf 28,9 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln, errechneten die Marktanalysten von IDC.

Deutsche Unternehmen profitieren kräftig vom Boom, etwa der Weltmarktführer für 3D-Drucker Eos aus Oberbayern oder die Lübecker SLM Solutions. Die Vorteile von 3D-Druckern liegen für Berater Pfeifer auf der Hand: „Die Entwicklungszeiten verkürzen sich mit ihrer Hilfe dramatisch, die Kosten sinken.“ Auf ein und derselben Produktionslinie lassen sich schnell unterschiedliche Produkte herstellen.

„Durch die Möglichkeit, geringe Produktionsvolumina wirtschaftlich zu erzeugen, bewirken 3D-Drucker die Herabsetzung von Markteintrittsbarrieren - insbesondere in Nischenmärkten“, sagt Pfeifer. Darin besteht aber auch ein großes Risiko - der nächste Wettbewerber ist einem durch 3D-Druck dicht auf den Fersen. Große Einbußen drohen vor allem Firmen, deren Produkte und Dienstleistungen in einem Konkurrenzverhältnis zu 3D-Druckern stehen - etwa Hersteller von Werkzeugmaschinen oder Gießereien. „Diese Unternehmen müssen die Marktverdrängung fürchten“, warnt Pfeifer. Sein zentraler Rat: „Mittelständler, die mit dieser neuen Technologie wirklich erfolgreich sein wollen, dürfen das Thema nicht allein den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen überlassen, sondern müssen es zum Topthema im Vorstand machen.

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