3D-Druck
Die Revolution wird abgeblasen

Mit 3D-Druckern kann jeder Laie Dinge entwerfen und herstellen – auch ohne eine Fabrik. So mancher erwartet eine neue industrielle Revolution. Wären da nicht die schnöden Beschränkungen! Etwa die Gesetze der Physik.
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BerlinDie Revolution sagt Hartmut Schwandt mit einem Lächeln ab. „Das Wort würde ich streichen.“ Evolution – schon eher. Dabei halten viele das, was der Mathematik-Professor tut, für umwälzend. Er leitet das 3D-Labor an der Technischen Universität (TU) Berlin. In dessen Räumen, versteckt gelegen am Ende eines dunklen Flurs, brummen und zischen mehrere schrankgroße 3D-Drucker vor sich hin. Die Geräte lassen digitale Konstruktionen Wirklichkeit werden. Schicht für Schicht, in Kunststoff oder Gips.

Einige Trendforscher und Enthusiasten (nicht immer lässt sich das sauber trennen) sehen darin die Zukunft der Produktion. Jeder einzelne könne nun Dinge entwerfen, produzieren und verkaufen – auch ohne Eigenkapital und Fabrik, schreibt beispielsweise der prominente amerikanische Journalist und Bestseller-Autor Chris Anderson in seinem jüngsten Buch „Makers“. Die Technologie sei noch in den Anfängen, stelle aber das vorherrschende Industriemodell in Frage: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution“, deklariert er mit kalifornischem Enthusiasmus.

Über solche Thesen schüttelt Schwandt jedoch mit wissenschaftlicher Skepsis den Kopf. Nicht aus falscher Bescheidenheit – sein zehnköpfiges Team ist bei Wissenschaftlern und Medien sehr gefragt. Aber: „Wir sind meilenweit davon entfernt, mit beliebigen Materialien beliebige Dinge zu drucken“, sagt er. Ein Besuch im 3D-Labor zeigt die Faszination der Technologie – aber auch, dass die Revolution noch warten muss.

Der 3D-Druck hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Die Industrie setzt das Verfahren schon seit den 80er Jahren ein. Autobauer beispielsweise können ihre am Computer entworfenen Prototypen auf Knopfdruck produzieren lassen, ohne teure Werkzeuge herstellen zu müssen – hier ist vom Rapid Prototyping die Rede. Auch Schuhdesigner und Architekten fabrizieren so Modelle.

Doch die Möglichkeiten gehen weit über den Modellbau hinaus. Ingenieure können seltene Ersatzteile für das Fließband nachbauen, technisch hochgerüstete Zahnärzte den Patienten eine passende Fülling drucken und sogleich einsetzen. Und die Berliner Forscher kopierten mit Computertomograph und Druckmaschine eine entstellte Statue des altägyptischen Königs Echnaton, so dass die Restauratoren mithilfe des Gips-Imitats Ersatzteile für das empfindliche Original formen konnten.

Und jetzt ziehen die Maschinen auch in die Garagen und Bastelkeller ein.

Kommentare zu " 3D-Druck: Die Revolution wird abgeblasen"

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  • das stimmt nicht ganz, in England werden schon seit längerem Flugzeugteile mit 3d Printern hergestellt und in USA offenbar auch: http://www.economist.com/blogs/schumpeter/2012/11/additive-manufacturing

  • Also ich lese hier schon die ganze Zeit mit und jetzt muss ich auch einmal etwas posten, da es mich ärgert was einfach behauptet und angenommen wird.

    1. Die Revolution 3D-Druck bedeutet nicht auf einer neuen Art eine Massenproduktion zu schaffen, sondern das diese Massenproduktion immer weniger benötigt wird. Einzelne können sich ihre benötigten Teile selber nach Bedarf anfertigen und lösen damit große Teile der Industrie ab

    2. Das Modellieren von Objekten steht dabei gar nicht im Vordergrund. Vergleichen wir die 3D Druck Revolution mit der Revolution des Internets, dann sind die 3D-Artisten die Programmierer. Es gab anfangs nur wenige von ihnen und das allgemeine Know-How war stark begrenzt. Heute hat sich das Blatt gewendet, denn es gibt bereits viele Möglichkeiten ohne Programmierkenntnisse eine Internetseite aufzusetzen.
    Back to Topic: Es wird (und es gibt schon vereinzelnd) Lösungen für Leute, die sich mit dem 3D-Zeichnen nicht auskennen, die aber genau so gut Objekte anfertigen können.

    3. Die Aussage zu den Materialkosten ärgert mich am meisten. Es gilt, wie auch fast überall in der Wirtschaft, Angebot und Nachfrage. Gibt es mehr Drucker und insg. mehr Nachfrage, gehen auch die Materialkosten runter.


    Sicher ist die Revolution nicht in 1-2 Jahren auf dem höchsten Stand, aber weder Kosten, noch Materialien, noch physikalische/chemische Grenzen, oder fehlendes Know How werden die Revolution "abblasen".

    Meine Meinung!

  • Während wir noch Lächeln machen die Anderen. Es wurde gerade ein in 3D Druck produziertes medizinisches Produkt von der FDA zugelassen. Einfach mal:"3D Printed Polymer Implant" googlen. Was im Artikel nicht erwähnt wird sind online 3D Drucker die genauso funktioniern wie der online Bilderdienst. Ein Traum für Modellbaue und sonstige Bastler.

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