Änderungen am Vista-System
Microsoft öffnet Türchen für Google

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft muss nach einer Beschwerde von Google sein neues Windows-Betriebssystem anpassen. Der Suchmaschinen-Riese hatte moniert, die Desktop-Suchfunktion von Vista benachteilige Wettbewerber.

HB CHICAGO. Die US-Justizbehörden und Microsoft erklärten am späten Dienstagabend, der Softwarekonzern werde bei Vista Suchfunktionen für Konkurrenz-Anwendungen leichter zugänglich machen. Entsprechende Änderungen werde es auch beim Browser „Internet Explorer“ und im „Start“-Menü geben. Zudem habe Microsoft zugesagt, anderen Produkt-Entwicklern wie Google mehr technische Informationen zu geben, damit sie die Leistung ihrer Suchfunktions-Programme unter Vista verbessern können. In der kommenden Woche soll dabei die Einhaltung der von Microsoft gemachten Zusagen erneut geprüft werden.

Eine Vista-Testversion mit entsprechenden Änderungen soll zum Jahresende zur Verfügung stehen. Die US-Behörden erklärten sich mit den Zusagen von Microsoft zufrieden. Google wiederum nannte die Entscheidung zwar einen Schritt in die richtige Richtung, sie reiche aber noch nicht aus.

Google hat dem Softwaregiganten im April vorgeworfen, mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem gegen Kartell-Auflagen zu verstoßen. Kern der Kritik ist, dass es Microsoft durch die Integration einer Desktopsuche in Vista den Nutzern erschwere, entsprechende Konkurrenz-Produkte zu nutzen. Für den Nutzer von Vista sei es praktisch unmöglich, die Indexierung der Microsoft-Desktop-Suche abzuschalten, wirft Google dem Rivalen vor. Bei der Nutzung einer anderen Desktop-Such-Software werde die Rechner-Leistung damit automatisch ausgebremst.

Google bietet ebenfalls eine Software für die Suche auf der eigenen Festplatte an. Dabei handelt es sich zwar „nur“ um kleine Anwendungsprogramme, sie haben aber in der Internet-Werbebranche vor allem für die Kundenbindung sowie andere Service-Angebote eine große Bedeutung. Derweil ruft allerdings auch die ungebremste Dynamik des Suchmaschinengiganten Google - in den USA dominiert Google fast 50 Prozent des Web-Suchmarktes - immer mehr Kritiker auf den Plan.

Das erst vor wenigen Monaten eingeführte Betriebssystem Vista ist zuvor bereits scharf von Konzernen wie IBM, Nokia, Sun Microsystems und Oracle kritisiert worden. Die Firmen monieren, Microsoft setze bei Vista die schon von der EU verurteilte Wettbewerbsbehinderung fort. Die EU-Kommission wirft dem US-Konzern vor, seine marktbeherrschende Stellung bei Betriebssystemen auszunutzen, um Anbieter anderer Programme zu verdrängen.

Vista ist der Nachfolger des Betriebssystems Windows XP, das auf den meisten Computern weltweit läuft. Die Entwicklung des neuen Programms dauerte mehr als fünf Jahre, die Markteinführung wurde mehrfach verschoben. Microsoft erzielt mehr als die Hälfte seines Umsatzes und fast seinen gesamten Gewinn mit dem Betriebssystem Windows und dem Softwarepaket Office.

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