Aimi Eguchi
Japanischer Popstar wird als Computermodell geoutet

Millionen Japaner jubeln der Girlband AKB48 zu. Doch das neuste Bandmitglied erregte Misstrauen unter Fans – zu Recht: Aimi Eguchi entstand im Computer. Eine fast perfekte Illusion.
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DüsseldorfCasting-Bands wird häufiger vorgeworfen, sie kämen aus der Retorte. Sie seien Ziel künstlich zusammengestellt, nur mit dem Ziel, den Massengeschmack zu treffen, um kommerziell erfolgreich zu sein. Wohl noch nie war dieser Vorwurf so berechtigt wie beim neuesten Mitglied der japanischen Mädchen-Band AKB48.

AKB48 ist eine seit 2005 bestehende Pop-Band mit ständig wechselnder Besetzung – eine Art ewiges „Japan sucht den Superstar“, bei denen ständig neue Mitglieder gecastet werden und in verschiedenen Teams gegeneinander antreten. Die Band gehört zu den populärsten in Japan.

Der jüngste Neuzugang bei der Band, Aimi Eguchi (江口愛実), stieß bei Fans allerdings auf Argwohn: Schon kurz nach ihrer offiziellen Aufnahme, trat sie in einer Eis-Werbung auf. Normalerweise müssen sich die Mädchen eine derartige Popularität erst hart erarbeiten. Immer und immer wieder werden sie in Wahlen von den Fans bewertet – und nur die beliebtesten schaffen es in die Werbung. Schnell machte in Foren das Gerücht die Runde, Ami Eguchi sei nicht aus Fleisch und Blut.

Schon am 14. Juni fragte das Computerspiele-Blog Kotaku: „Ist dieses Mädchen echt oder virtuell?“ Gerade Computerspieler hätten ein Gefühl dafür entwickelt, ob ein Charakter real ist oder nicht, so das Blog. Im japanischen Magazin „Weekly Playboy“ (週刊プレイボーイ) – nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Männermagazin – wurde sie als das „ultimative Mädchen“ beschrieben: Perfektes Aussehen, spannende Hobbys, sie lebt das perfekte Märchen von dem fast jedes japanische Mädchen träumt. Schnell fiel japanischen Internetnutzern auf, wie stark die Fotos in dem Magazin, dessen Cover Aimi zierte, digital nachbearbeitet wurden.

Eine Nachbearbeitung ist gerade in Hochglanzmagazinen an der Tagesordnung – doch derart künstlich wirkende Fotos waren doch ungewöhnlich. Schnell stand die These im Raum, Aimi sei nicht mehr als eine Computer-Komposition aus allen bisherigen Mitgliedern der Band – nahezu perfekt per Computer Generated Imagery (CGI) gemorpht und animiert.

Nun steht fest: Das Gerücht ist wahr. Ezaki Glico, Hersteller der Eissorte, für die Aimi warb, ließ das Mädchen im Computer entstehen – und zwar wie von den Fans bereits vermutet als Kombination bisheriger Mitglieder von AKB48. Ezaki Glico stellte auch ein Video online, das die täuschend echte Illusion nachzeichnet.

Allerdings ist Aimi nicht der erste virtuelle Popstar in Japan. Auch der Anime-Figur Hatsune Miku (初音ミク) jubeln seit 2007 Millionen Japaner zu. Bei Konzerten erscheint sie als Hologramm auf der Bühne. Allerdings ist diese im Gegensatz zu Aimi klar als virtuelles Wesen erkennbar. Es bleibt abzuwarten, wann es CGI-Designern gelingt, die erste virtuelle Figur zu erschaffen, die nicht mehr als solche erkannt wird – Aimi war jedenfalls der bisher beste Versuch.

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