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Apple macht Mut: Downloadservices lassen Musikkassen leise klingeln

Auf der Popkomm in Berlin hat ein neues altes Zauberwort die Musikmanager elektrisiert: Download. Oder genauer gesagt, das legale Herunterladen von Musik aus dem Internet.

dpa BERLIN. Auf der Popkomm in Berlin hat ein neues altes Zauberwort die Musikmanager elektrisiert: Download. Oder genauer gesagt, das legale Herunterladen von Musik aus dem Internet.

Nachdem die Plattenfirmen jahrelang argwöhnisch auf die illegalen Tauschbörsen geschaut haben, sollen nun diese misstrauisch beäugten Downloadtracks der Branche aus der Krise helfen - die besonders in Deutschland tief sitzt: In sechs Jahren verloren die Unternehmen rund 40 Prozent Umsatz, weit mehr als 2000 Stellen wurden abgebaut.

Kein Wunder, dass nicht ein Plattenboss oder Popstar zu den gefragtesten Gesprächspartnern am Eröffnungstag des dreitägigen Branchentreffs gehörte, sondern ein Computerpionier. Eddy Cue, Vizepräsident des Bereichs Webanwendungen beim Compterkonzern Apple, erläuterte, warum sein itunes Music Store seit dem US-Start im April 2003 rasant wächst: „Die Klarheit und Einfachheit ist unser Erfolg.“

Ob in den USA oder in der Eurozone: 99 Cent kostet ein Song, ein ganzes Album meist 9,99. Mit wenigen Klicks gehört das Stück dem Internetsurfer, der den Song auf CD brennen, auf Computern abspielen und mobil auf dem Apple-Trendgerät ipod mitnehmen kann, von dem mittlerweile mehr als 4,5 Mill. zirkulieren. In den USA sowie den drei Ländern Deutschland, Großbritannien und Frankreich (seit Juni 2004) hat itunes mehr als 125 Mill. Musikdateien über das Internet verkauft. Andere Musikdownloadshops, in Deutschland rund 20, ziehen nach und verzeichnen ebenfalls hohe Wachstumsraten.

Doch trotz dieser Erfolgsstory: Die Internetpiraterie boomt weiter. Laut dem Weltphonoverband Ifpi wurden in 2003 rund acht Mrd. Musikdateien illegal aus dem Netz geladen; und das legale Business steckt noch immer in den Kinderschuhen. „Der Anteil von Downloads am Gesamtgeschäft beträgt noch unter einem Prozent. Aber das wächst rasant“, sagt der deutsche Phonoverbandschef Gerd Gebhardt zum Abschluss der Popkomm am Freitag. „Derzeit werden in Deutschland pro Monat schon mehr als eine Million Downloads abgesetzt; das wird sich im kommenden Jahr sicher verdoppeln.“ Bis 2010 könnte der Downloadmarkt zehn bis 30 Prozent des Plattengeschäfts ausmachen, das 2003 weltweit bei 32 Mrd. Dollar lag. Das deckt sich mit Analysen des Marktanalyseunternehmens Forrester Research, das einen weltweiten Downloadmarkt von 4,5 Mrd. Dollar voraussagt.

Maarten Steinkamp, Chef des jüngst fusionierten Plattenriesen Sony BMG, sieht im Boom beim legalen Herunterladen von Musik aus dem Internet gar eine Trendwende für die Branche. „Die Menschen sind wieder bereit, für Musik zu bezahlen“, sagt er.

Jeff Cavins, Geschäftsführer der US-Firma Loudeye, die im Juni das von Musiker Peter Gabriel gegründete Musikdienstleistungsunternehmen OD2 übernommen hat, geht noch einen Schritt weiter. „Es gibt einen Trend hin zum Mobilfunk.“ Mit dem Handy könne künftig jeder seine Lieblingssongs über das Mobile Netz suchen, bestellen und per Moilfunkrechnung bezahlen; der Song werde dann an die E-Mail-Adresse des Handynutzers gesandt. Der nächste Schritt sei der Download direkt auf das Handy, dass als mobiles Abspielgerät funktioniere. Die Handy- Hersteller arbeiten bereits an leistungsfähigen MP3-Handys - Mobiltelefonen also, die Musik im MP3-Format abspielen können.

Doch schon jetzt ist das Handy im Musikbereich ein Umsatzbringer. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr Klingeltöne verkauft als Singles (Single-Absatz in Deutschland: 23,8 Mill. Stück); auf zwei bis drei Mrd. Euro schätzen Experten den weltweiten Umsatz in 2003. Das meiste Geld kommt von Jugendlichen, die sich die nur rund 30 Sekunden kurzen Soundschnipsel von mäßiger Qualität auf ihr Handy laden - für Preise von 1,99 Euro aufwärts pro Stück, also mehr als ein kompletter Song im Download kostet.

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