Apples Webkameras gehackt
Spionage im Schlafzimmer

Hacker können über die Webcam an Apple-Computern in fremde Schlafzimmer blicken und intime Aufnahmen machen. Der Skandal zieht immer weitere Kreise. Tausende Rechner sollen betroffen sein.
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San FranciscoDer beste Schutz ist ein Stück Klebeband. Wer ganz sicher gehen will, der pappt es vor seine Webcam am Computer. Erstmals sind jetzt Belege aufgetaucht, dass Hacker die sogar einschalten können ohne dass das warnende Aufnahmelicht angeht.

Das wohl prominenteste Opfer war Miss Teen USA Cassedy Wolf: Ein Mitschüler hatte Spionagesoftware auf ihren Rechner gesendet und über Monate unbemerkt Fotos von ihr gemacht. Darunter waren auch Nacktaufnahmen, mit denen er die junge Frau zu erpressen versuchte und von ihr weitere Aufnahmen von sich und mehr verlangte. Doch sie ging zur Polizei. Der Hacker, der Duzende weitere Frauen weltweit ausspioniert haben soll, wurde verhaftet und im November in Kalifornien vor Gericht gestellt.

Die heute 19-jährige Cassidy Wolf hatte stets beteuert, das grüne Aufnahmelicht an ihrem Laptop  sei während der gesamten Zeit, in der sie ausspioniert wurde, niemals angegangen. Eigentlich ist das unmöglich. Fast alle Hersteller verbinden die Web-Kameras, egal ob als Zusatzgerät oder im Rechner installiert, fest per Hardware mit dem Aufnahmelicht. Dadurch gibt es für Hacker theoretisch keine Möglichkeit, das Aufleuchten zu verhindern. Nun sind Belege dafür aufgetaucht, dass dies doch der Fall gewesen sein könnte. 

Stephen Checkoway, Mitautor des Arbeitspapiers „iSeeYou“ beschreibt detailliert, wie er und anderen Wissenschaftler am John Hopkins Institut die Firmware von Apples iSight-Kamera, wie sie in iMacs und MacBooks verwendet wird, umprogrammieren konnten. Danach funktionierte die ohne Warnlicht und noch mehr: Die Kamera wurde zur Tastatur und konnte dazu benutzt werden, um Programme auf dem Rechner auszuführen. Nachdem die Wissenschaftler Apple informiert hatten, ist man in Cupertino offenbar aktiv geworden. Mittlerweile funktioniere der Trick nur noch auf älteren Apple-Rechnern aus 2008.

Insgeheim sind solche Überwachungen offenbar schon seit Jahren möglich, wenn auch nicht nur durch Hacker. „Die stärkste Software des FBI“, berichtet die Washington Post unter Berufung auf einen ehemaligen Mitarbeiter der US-Behörde, „ist in der Lage eine Computerkamera einzuschalten, ohne dass ein Aufnahmelicht angeht.“ Dies sei seit Jahren Praxis und mit richterlichen Beschlüssen in Terrorermittlungen eingesetzt worden.

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Überwachung mit dem Schulrechner

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