Archive betreiben einen hohen Aufwand, um Informationen zu erhalten
Die Angst der Archivare vorm digitalen Datennirvana

Papier ist geduldig - und langlebig. Anders als digitale Daten. Die Nasa hat schon erfahren, was Datenverlust ist. Deutsche Archive schützen sich mit ausgeklügelten Systemen davor.

dpa KOBLENZ. Die Aufzeichnungen der Nasa-Sondenflüge der siebziger Jahre sind weg. Die wertvollen Informationen auf Magnetbändern fielen magnetischen Strömungen zum Opfer. Wegen unsachgemäßer Lagerung sind sie nicht mehr lesbar. Derartige Verluste wollen deutsche Archivare vermeiden. Im Bundesarchiv in Koblenz gibt es bereits seit zwölf Jahren ein Referat für sichere elektronische Archivierung. Dessen Sachbearbeiter Burkhart Reiß sagt: „Das Problem aller digitalen Speichermedien ist, dass sich ihre Beschichtungen zersetzen und dass der technische Fortschritt so rasant ist.“

Der zunehmende Kostendruck von Herstellern führe zu einer immer schlechteren Qualität und Haltbarkeit von Speichermedien wie CDs und DVDs. Und viele Lese- und Abspielgeräte verschwänden bald wieder vom Markt. Wer kann heute noch eine dieser wabbeligen 5 1/4-Zoll-Disketten aus den Neunzigern lesen? Und von denen wurden Millionen unters Volk gebracht.

Reiß hat eine Lösung parat: „Zur Sicherheit überspielen wir alles auf zwei verschiedene Medien. Diese lagern wir an zwei verschiedenen Orten bei gleich bleibenden Temperaturen.“ Beide Datenbestände werden auf absolute Übereinstimmung miteinander verglichen. „Wir schauen auch, dass unsere Speicherformate von allen Betriebssystemen lesbar sind“, ergänzt der Spezialist.

Für die meisten Archive ist diese elektronische Erfassung noch kein größeres Thema, weil sie ihre neu eingehenden Dokumente noch in Papierform bekommen, wie das rheinland-pfälzische Landeshauptarchiv in Koblenz bestätigt. Mittelfristig werde sich dies aber ändern, sagt Archiv-Direktor Heinz-Günther Borck. Beispielsweise arbeiteten die Grundbuchämter teilweise bereits mit Computerdaten. Damit lasse sich Zeit und Geld sparen.

Das Bundesarchiv ist Vorreiter bei der elektronischen Archivierung: Schon in den neunziger Jahren übernahm es große elektronische Datenbestände der ehemaligen DDR. „Dazu gehören zum Beispiel Daten von Eingaben von Bürgern an den Staatsrat und den Ministerrat, von den Volkszählungen 1971 und 1981 und von Haftanstalten“, sagt Archivrätin Andrea Hänger.

Die Daten von tausenden alten DDR-Magnetbändern haben die Koblenzer Archivare auf neue Speichermedien überspielt. Alle fünf Jahre kopieren sie diese Daten erneut. „Manche dieser Daten sind sehr wichtig, zum Beispiel wenn jemand Rentenansprüche wegen seiner Erkrankung in einem DDR-Gefängnis geltend machen will. In Papierform gibt es da nichts mehr.“

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