Behörden-Notruf 115
„Schöne neue Verwaltungswelt“

Verschiedene Ämter beschäftigen sich mit verschiedenen Problemen - doch welche Behörde ist für welches Anliegen der richtige Ansprechpartner? Abhilfe im Behördendschungel soll eine einheitliche Rufnummer schaffen, der „Behörden-Notruf 115“.

dpa HANNOVER. Von der einheitlichen Telefonnummer aus würde der Bürger an das entsprechende Amt weitergeleitet. Geboren wurde die Idee im vergangenen Dezember auf dem „ersten nationalen IT-Gipfel“, auf der Computermesse Cebit in Hannover wird nun eine Lösung vorgestellt.

Eine „schöne neue Verwaltungswelt“, nennt dieses Ansinnen Gudrun Quandel vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus). Ihre Forschungsanstalt ist an der Entwicklung des „Service-115“ - so der Arbeitstitel des Projektes - maßgeblich beteiligt. „Die technischen Voraussetzungen bestehen bereits“, sagt Quandel. Als große Herausforderung sieht sie eher die politische Ebene. Hier soll ein Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen vermieden werden. „Eine Herkulesaufgabe“, findet auch Josef Nyary vom federführenden Institut für Interdisziplinäre Studien zu Politik, Recht, Administration und Verwaltung (Isprat).

Seine Lösung klingt einfach: Funktionierende Call-Center, wie sie in vielen Städten und Gemeinden bereits existieren, sollen vernetzt werden. Aus diesen Inseln, so die Überlegung, entsteht dann in absehbarer Zeit ein bundesweites Netz. „Drei bis fünf Jahre“ würden dafür benötigt, so Nyarys Schätzung. Ein Anreiz sei die im Dezember verabschiedete EU-Dienstleistungsrichtlinie. Dadurch sind die EU- Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis Ende 2009 den Abbau von bürokratischen Hindernissen und zwischenstaatlichen Hemmnissen sowie die Förderung des grenzüberschreitenden Handels mit Dienstleistungen umzusetzen.

„Die Einheitsrufnummer ist eine Chance für die Verwaltung“, meint Gudrun Quandel - und die müsse genutzt werden. „Wenn Bund und Länder sich nicht einig werden, läuft Deutschland Gefahr, überholt zu werden“, sagt sie. Schließlich sei in anderen Ländern wie Frankreich oder Italien die Umsetzung eines solchen Projekts auf Grund der politischen Gegebenheiten einfacher. „Für den Standort Deutschland ist dieses Projekt von großer Wichtigkeit“, betont auch Istrat-Mann Nyary. Aus etlichen Ländern lägen bereits Anfragen für das Projekt vor, unter anderem aus Thailand oder Taiwan. Finanzielle Hindernisse sieht er nicht: Da die Call-Center meistens schon bestünden, fielen lediglich Kosten für die Mitarbeiter-Schulung an - „das ist tragbar.“

Die Bundesbürger selbst sind allerdings skeptisch: Knapp zwei Drittel glauben einer Umfrage vom Dezember zufolge, dass sich das Verhältnis zwischen Bürgern und Verwaltung durch eine Einheitsrufnummer nicht verbessern wird. „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, alles anders machen zu wollen“, sagt Gudrun Quandel mit Blick auf die Vorbehalte. Doch eines muss auch sie einräumen: „"Service-115" ist kein Versprechen dafür, dass wir in 20 Jahren paradiesische Zustände haben.“

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