„Briefkasten“ für Pakete
Post-Automaten ersetzen Post-Filiale

Klappe auf, Paket rein, Klappe zu. So einfach kann es sein, Pakete zu versenden. DHL, die Paket- und Logistiktochter der Deutschen Post, erprobt gerade in Frankfurt am Main 40 Paketboxen, an denen Kunden rund um die Uhr frankierte Päckchen und Pakete bis 20 Kilogramm einwerfen können.

DÜSSELDORF. Als Briefkasten für Pakete preist Boris Mayer, Marketingchef für das Privatkundengeschäft von DHL Express Deutschland, den Automaten. Nur ist er viel größer, natürlich aber auch gelb. Hersteller der Box ist Nagler Technik aus Luhe-Wildenau.

Mit der Paketbox biete die Post Privatkunden einen Zusatzservice an, meinte Mayer. Die Boxen fassen Pakete bis zu einer Größe von 60x40x40 Zentimetern und werden montags bis samstags mindestens einmal pro Tag geleert. Laut Eugen Pink, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Postdienstleister (BvDP), reagiert die Post damit aber auf den starken Wettbewerb um private Paketkunden. Damit könnten die Kunden auch außerhalb der eingeschränkten Öffnungszeiten der Post-Filialen Pakete aufgeben.

Beim schärfsten Rivalen Hermes Logistik wird der Versuch mit der Paketbox daher mit Spannung beobachtet. Für die Kunden der Post sei der Automat eine Möglichkeit, Pakete schneller aufzugeben, räumte ein Hermes-Sprecher ein. Wohl aus Kostengründen hat man in Hamburg auf den Aufbau eines eigenen Automatensystems vor nicht allzu langer Zeit verzichtet. „Wir haben uns dem Motto Mensch statt Maschine verschrieben“, sagte der Sprecher. Die Tochter des Versandhändlers Otto setzt auf ein System von Paketshops an Orten mit außergewöhnlichen Öffnungszeiten, wie Tankstellen und Kioske. Immerhin hat Hermes DHL auf dem Privatpaket-Markt durch einen Mix aus niedrigeren Preisen und solchen Serviceangeboten erfolgreich Kunden abgejagt. Im vergangenen Jahr ist der Marktanteil von fünf auf 22 Prozent gestiegen. DHL hat darauf bereits mit einer Preissenkung reagiert.

Die Paketbox gilt auch als Alternative zu der vergleichsweise nicht so leicht zu bedienenden Packstation von DHL. Doch seien die neuen Boxen keine Konkurrenz für die Packstation, betonte Mayer. Denn an den bundesweit über 700 deutlich größeren Stationen können die Kunden ihre Sendungen nicht nur rund um die Uhr abgeben, sondern auch jederzeit abholen und außerdem noch Päckchen- und Paketmarken kaufen. Bis Ende 2007 will DHL in allen Städten mit über 100 000 Einwohnern mit solchen Packstationen präsent sein. Allerdings muss man an den Packstationen registrierter Benutzer sein.

Ein Trend zeichnet sich ab: Die Post setzt im Kontakt mit den Kunden zunehmend auf Automaten. In Köln werden bereits rund um die Uhr geöffnete Briefstationen getestet. „Der alte Service an der Haustür und in den Filialen bleibt erhalten“, betonte aber ein Post-Sprecher. „Die Post investiert nicht nur, um es den Verbrauchern leicht zu machen“, sagte hingegen Elmar Müller, vom Deutschen Verband für Post und Telekommunikation (DVPT). Müller sieht in der Automatisierung eine Vorstufe zur weiteren Rationalisierung des aufwendigen Filialsystems. Ähnlich wie die Banken plane die Post den Rückzug aus der Fläche.

Laut Postgesetz ist die Post verpflichtet, bundesweit 12 000 Filialen zu unterhalten. Doch 2008 läuft das Briefmonopol aus. Damit muss der Universaldienst, die Verpflichtung zur postalischen Grundversorgung, neu geregelt werden. Post-Briefvorstand Hans-Dieter Petram hat die Richtung vorgegeben. Er hält den Universaldienst im jetzigen Umfang für einen Anachronismus aus alten Behördenzeiten. Bereits heute betreibt die Post nur noch 5000 eigene Filialen. Der Rest sind Postagenturen im Einzelhandel. Zudem laufen Versuche mit „Post-Points“, der Magerversion einer Post-Filiale.

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