Cebit-Eröffnung
„Die Menschen müssen am Steuer bleiben“

Der Eröffnungsveranstaltung der Cebit ging seinen gewohnten Gang – bis Swatch-Chef Nick Hayek eine neue Note in die Diskussion brachte: den Menschen. Auch Wirtschaftsminister Gabriel ging darauf ein.

HannoverDie Digitalisierung schimmert bunt durch ein paar dutzend Wassertanks. Jene würfelförmigen  Plastikcontainer auf Europaletten, die sonst oft als Gewicht für Zelte benutzt werden, schmücken die Bühne in der sonst schmucklosen Halle bei der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen IT-Messe Cebit in Hannover. Statt des Wassers stecken in ihnen Lampen, die die Farbe wechseln. Über das Internet angesteuert, sind sogar sie Teil des Internets der Dinge. Internet im Wassertank eben.

In diesem Jahr dreht sich auf der Cebit alles um das Thema digitale Transformation. Oder anders „um den  vollständigen Umbau unserer Wirtschaft“, wie Thorsten Dirks, Chef des IT-Branchenverbands Bitkom auf der Bühne mit bedeutungsschwangerer Stimme erklärt. Dann fordert er: „Raus aus dem klein, klein – denken wir in großen Maßstäben.“

Auf der Bühne folgt ihm kurze Zeit später der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger, der am Mittag bereits eine gewichtige Grundsatzrede über die Notwendigkeit eines europäischen digitalen Binnenmarktes gehalten hat. Oettinger beschwört noch deutlicher die Notwendigkeit für Europa, sich bei der Digitalisierung nicht von den USA abhängen zu lassen. Gerade in Grenzregionen oder in ländlichen Bereichen wie dem Schwarzwald sei der Mobilfunk-Empfang zum Teil so schlecht, dass man sich eher an Uganda oder Burundi erinnert fühle als an ein hochentwickeltes Land, sagte er. Daher seien Investitionen der Privatwirtschaft so wichtig.

So dringlich diese Botschaften sind, so wichtig sie auch sein mögen, genauso bekannt sind sie. Und so ist es der Auftritt des Chefs des Schweizer Uhrenherstellers Swatch, Nick Hayek, der eine neue Note in die alte Diskussion bringt: den Menschen. „Lass uns nicht nur in die Technologie verlieben“, sagt er. „Die Menschen müssen dabei am Steuer bleiben.“ Nun mag es ein leichter Reflex sein zu denken, ein Unternehmer, der mechanische Uhren vertreibt, betrachtet die Digitalisierung natürlich kritischer. Doch das ist zu kurz gegriffen: Zum einen vertreibt auch Swatch smarte Uhren, zum anderen sei die komplette Produktion automatisiert, erzählt Hayek, „und trotzdem haben wir mehr Personen eingestellt.“

Auch der Bundespräsident der Schweizer Eidgenossenschaft, Johann Schneider-Ammann, betont, dass man die Menschen nicht bei der Digitalisierung vergessen darf. Dann kommt auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Bühne: Den wichtigsten Punkt hätte Günther Oettinger gemacht, sagt er, als dieser darauf hingewiesen habe, dass die Staaten bei der Digitalisierung Europas zusammenarbeiten müssten. Dann fügte er hinzu, dass natürlich auch Swatch-Chef Hayek einen wichtigen Punkt gemacht habe, als er auf die Bedeutung der Menschen hingewiesen hat. Schließlich würde auch das Europa ausmachen.

Gabriel referierte noch lange über die Wichtigkeit von Investitionen, Infrastruktur, Regulierung und Kooperation – und schloss seine Rede mit einem erneuten Hinweis auf Hayek, den Menschen, der im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen soll,

nicht zu vergessen. Unklar, ob das so in Gabriels Redetext stand – zumindest hat auch der Wirtschaftsminister diesen Gedanken als wichtig für die Debatte erkannt.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
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