Cebit-Trend Künstliche Intelligenz
Lehrmeister für schlaue Maschinen gesucht

Sie steuert Autos, erkennt Krankheiten und beantwortet Kundenfragen: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Wirtschaft zu revolutionieren. An Ideen mangelt es nicht, doch Fachleute werden dringend gesucht.
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HannoverAutos, die selbständig über die Straße navigieren. Programme, die anhand von Satellitenbildern die Schäden durch Wirbelstürme schätzen. Und Helfer für den Kundenservice, die Anfragen automatisch nach Beschwerden und Bestellungen sortieren: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern – vor allem die Teildisziplin des maschinellen Lernens verspricht große Erfolge. Etliche deutsche Konzerne nutzen die Technologie bereits, teils versuchsweise, teils schon im Alltag.

Allerdings sind die Fachleute an der Schnittstelle von Informatik und Statistik nicht einfach zu finden. „In Deutschland fehlen unmittelbar 5000 Leute mit KI-Expertise“, sagt Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Allein in der Automobilindustrie bestehe ein Bedarf von 3000 Experten, sagt der Professor für Informatik, der sich über eine Umfrage bei Dax-Konzernen einen Überblick verschafft hat. „Enormen Bedarf an KI-Expertise“ hätten auch Handel, Medienbranche sowie Banken und Versicherungen angemeldet, sagte Wahlster dem Handelsblatt. Das DFKI und die Akademie der Technikwissenschaften Acatech haben daher einen Online-Kurs zur Vermittlung von „Orientierungswissen“ entwickelt, der heute zum Start der Cebit online geht.

„Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz sind Schlüsselkompetenzen, um die vernetzte Welt zu gestalten“, sagt Bosch-Chef Volkmar Denner stellvertretend für viele andere Unternehmen. Einige Beispiele aus deutschen Konzernen zeigen die Bedeutung der Technologie und den Bedarf an Fachkräften – auch wenn sich zu konkreten Plänen kaum ein Unternehmen genau äußert.

Für SAP ist maschinelles Lernen derzeit eines der wichtigsten Themen. „Unsere Vision ist das intelligente Unternehmen“, sagt Markus Noga, der die Entwicklung des maschinellen Lernens verantwortet. Ziel sei es, Geschäftsprozesse schrittweise neu zu erfinden: SAP will immer mehr Standardaufgaben den Maschinen übertragen, damit den Menschen mehr Zeit für die schwierigen Fälle bleibt. Nogas Team hat 300 Nutzungsszenarien identifiziert, bei über 30 soll in diesem Jahr die Integration in Produkte beginnen. Für den Konzern ist es strategisch wichtiges Thema: Auch die Konkurrenz investiert massiv.

Ein neues SAP-System sortiert beispielsweise Kundenanfragen vor: Es trennt Beschwerden von Bestellungen, leitet sie gleich an die richtigen Mitarbeiter weiter und macht Vorschläge für Antworten. Mit den vielen Daten, die der Konzern in seinen Systemen speichert, kann er die Algorithmen trainieren – diese entwickeln dann eigenständig Regeln für die Sortierung.

Derzeit beschäftigt SAP 120 Spezialisten für maschinelles Lernen, im Laufe des Jahres soll sich die Zahl verdoppeln. Zudem lernen Tausende Mitarbeiter über interne Gruppen und Treffen die Grundzüge der Technik. Die Suche nach Fachkräften bereite dem Konzern derzeit keine großen Probleme, sagt Noga: „Insbesondere in Europa ist SAP als IT-Arbeitgeber hervorragend positioniert, um Toptalente anzuziehen.“ Um sichtbar zu sein, arbeitet der Konzern mit Forschungseinrichtungen zusammen, ist auf Fachkonferenzen präsentiert und richtet Rekrutierungsveranstaltungen aus.

Der Umgang mit großen Informationsmengen gehört bei Munich Re seit jeher zum Geschäftsmodell. Es ist die Grundlage, um Risiken realistisch zu kalkulieren. „Um große Datenmengen zu erheben und zu verarbeiten, wird künstliche Intelligenz eine zunehmende Rolle spielen – und sie ist bereits heute fester Bestandteil einer wachsenden Anzahl unserer Services“, teilt der weltgrößten Rückversicherer mit.

Bei der Schätzung von Schäden nach Naturkatastrophen hilft die IT beispielsweise, indem sie Bilder von Satelliten und Drohnen auswertet. Zuletzt sei das nach dem Hurrikan Matthew in den USA geschehen. Auch bei der Untersuchung von Versicherungsbeständen nach bestimmten Risiken oder der Suche nach Marktpotenzialen kommt die Technologie zum Einsatz.

Dafür braucht Munich Re weitere Experten. Genaue Zahlen nennt der Konzern zwar nicht, lässt aber wissen, dass er „fortlaufend Data Scientists und andere Experten“ rekrutiere, für die Zentrale wie auch für größere Niederlassungen im Ausland.


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