Computermesse Systems eröffnet
Fachkräftemangel gefährdet Wachstum der IT-Branche

Der Fachkräftemangel gefährdet zunehmend das Wachstum in der Informations- und Kommunikationsbranche. „Wir haben Vollbeschäftigung und suchen dringend weitere Arbeitskräfte“, sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, am Montag auf der Computermesse Systems in München.

HB MÜNCHEN. Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) eröffnete die Messe rund um Computer, Software und Telekommunikation am Montagabend offiziell. Bis diesen Freitag (26. Oktober) zeigen 1198 Aussteller aus 28 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen, das sind 62 weniger als im Vorjahr. Die Branche gehöre mit ihren rund 776 000 Beschäftigten sowie weiteren 650 000 Arbeitnehmern in den Anwender-Unternehmen zu den wichtigsten deutschen Industriezweigen, betonte Müller.

Am Dienstagmorgen hat die Computermesse dann ihre Tore auch für die Besucher geöffnet. Die Messe München sprach zum Auftakt von einem regen Besucherinteresse. „Es läuft gut an“, sagte eine Messe-Sprecherin. 2006 kamen gut 53 000 Besucher zu der Schau auf dem Münchner Messegelände. In diesem Jahr wolle man an den vier Messetagen ein größeres Publikum anziehen, sagte die Sprecherin. „Wir wollen wachsen.“ Von einigen Ausstellern gebe es bereits erste positive Signale.

Bitkom-Präsident Scheer sieht die Aussichten der Branche zuversichtlich, auch wenn der starke Preisverfall in der Telekommunikation die Stimmung trübe. Für die Informationstechnologie geht der Verband in diesem Jahr von einem Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 72,5 Mrd. Euro aus, die Erlöse der digitalen Unterhaltungselektronik sollen sogar um 6,7 Prozent auf 10,5 Mrd. Euro zulegen.

Dagegen wird für die Telekommunikation mit einem Minus um 1,8 Prozent auf 64,8 Mrd. Euro gerechnet. Das Mengenwachstum in diesem Segment könne die fallenden Preise für Telekommunikationsdienstleistungen nicht wettmachen, sagte Scheer. Vor allem die Anbieter von Sprachtelefonie im Festnetz und im Mobilfunk stünden unter Druck. Einen Boom erlebten dagegen die Internetprovider, die von der wachsenden Verbreitung schneller Internetanschlüsse profitierten. Auch die Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen könnten sich über eine rege Nachfrage freuen.

Besorgt zeigte sich der Scheer mit Blick auf den Fachkräftemangel. Bei einer Umfrage hätten 62 Prozent der Unternehmen angegeben, dass das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter ihre Geschäfte behindere. „Wir haben Vollbeschäftigung und suchen dringend weitere Arbeitskräfte.“ Derzeit gebe es rund 40 000 offene Stellen in der Informations- und Kommunikationswirtschaft sowie bei den Anwender-Unternehmen, sagte Scheer. Um dem wachsenden Personalbedarf zu begegnen, werde die Nachwuchsförderung auch einer der Schwerpunkte beim zweiten nationalen IT-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 10. Dezember in Hannover sein, kündigte Scheer an. Der Politik warf er vor, sich bisher nur „halbherzig“ mit dem Zuzug ausländischer Fachkräfte befasst zu haben. „Wir sind etwas traurig darüber, dass man hier nicht nach vorne gegangen ist“, sagte der Bitkom-Präsident.

Der Verband will sich auch für eine Stärkung der Unternehmen im internationalen Wettbewerb einsetzen. „Wir haben in Deutschland zu wenige internationale Player“, sagte Scheer. Zu häufig gelinge es nicht, Entwicklungen und Leistungen der Branche aus Deutschland auch auf den Weltmärkten zu Produkten zu machen.

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