Digitale TV-Landschaft
Im „Wendejahr“ zum „Triple Play“

Wir leben in einem „Wendejahr“, sagt Burkhard Graßmann, Marketing-Vorstandsmitglied bei T-Online International. Und so sieht die Wende aus, von der er spricht: Betreiber von Kabelnetzen treten plötzlich als TV-Programmanbieter auf und offerieren außerdem Telefon und schnelles Internet über den Kabelanschluss.

dpa KÖLN. Im Gegenzug bietet die Telefongesellschaft neben Internet auch Fernsehen an. In beiden Fällen kommen Telefon, Internet und Fernsehen aus einer Hand - man nennt das „Triple Play“. Entsprechende Paketangebote mit günstiger Flatrate werden Kabelkunden derzeit angeboten.

Was beim Medienforum NRW in Köln zum Wochenbeginn teils für Begeisterung, teils für Unbehagen sorgte, ist eine rasante Entwicklung in der Medienbranche, die seit knapp einem Jahr mit immer neuen Wendungen aufwartet. Da hatte der Bezahlsender Premiere, der seit Jahren über die Bundesligarechte verfügen konnte, dieses attraktive Paket völlig unerwartet an den Newcomer Arena verloren, eine eigens zu diesem Zweck von Kabelbetreibern gegründete Firma.

Dieser herbe Schlag ließ Premiere-Chef Georg Kofler nicht ruhen, und er tat sich mit der Deutschen Telekom zusammen, die die Internet- Rechte für die Bundesliga gekauft hatte und einen strategischen Programm-Partner suchte. Im Format Iptv will die Telekom-Tochter T- Online nun in jenen Ballungsgebieten, wo der schnelle DSL-Standard Vdsl empfangbar ist, nicht nur die Bundesliga, sondern auch das ganze Premiere-Paket anbieten. Ob Kofler, wie er meint, die Bundesliga in diesem Internetformat auch über Kabel und Satellit an den Kunden bringen darf, ist rechtlich umstritten. Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer jedenfalls betont: „Wir haben die exklusiven Rechte gekauft, die Bundesliga live über Kabel und Satellit zu verbreiten.“

Die treibende technische Macht hinter allem ist die Digitalisierung, durch die Bilder, Töne und Texte gleichermaßen auf Daten reduziert werden. Und Daten können auf vielfachem Wege übertragen werden, bevor sie - etwa auf dem Fernseher - wieder in Bilder und Töne umgewandelt werden. Bald wird es kein Analog-TV mehr geben - und vielleicht auch kein frei empfangbares Privatfernsehen mehr.

Denn die Kabelgesellschaften haben mit den Privatsendern eine Verschlüsselung der digitalen Programme vereinbart, für deren Freischaltung der Kunde zu zahlen hat. Fernsehzuschauer, die dachten, der Satellitenempfang sei der kostenfreie Ausweg, wurden eines anderen belehrt: Auch der Satellitenbetreiber SES Astra verschlüsselt die Privatprogramme und verlangt eine Monatsgebühr - drei bis fünf Euro, wie SES-Astra-Vizepräsident Alexander Oudendijk in Köln sagte.

Was die Privatsender mit der Verschlüsselung ihrer Programme eigentlich wollen, sagt Premiere-Geschäftsführer Kofler so: Es geht um die direkte Beziehung des Senders zum Kunden. Wer seine Kunden gezielt ansprechen will, mit Marketingaktionen und Angeboten, muss sie kennen. Auch RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt sieht die Verschlüsselung als Basis, um den Zuschauer ansprechen zu können - als „Eintrittskarte in die digitale Welt“. Für ZDF-Intendant Markus Schächter heißt dies, „den gläsernen Kunden herzustellen“ - eine Einschätzung, die Kofler zwar nicht für falsch hält, aber für „überpointiert“. Im übrigen, meint NRW-Medienstaatssekretär Thomas Kemper, könnten die öffentlich-rechtlichen Sender eines Tages selbst ein Interesse daran entdecken, ihre Programme verschlüsselt auszustrahlen.

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