DVB-T2 HD
Wie Zuschauer den Blackout verhindern

Die Werbung klingt wie eine Drohung: Wer nicht bald aufs neue Antennenfernsehen DVB-T2 HD umstellt, bei dem bleibt der Bildschirm schwarz. Tatsächlich sollten sich Zuschauer Gedanken machen – auch über Alternativen.
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DüsseldorfIn diesen Tagen bleiben viele Fernseher schwarz – zumindest für ein paar Sekunden. „Ihr Bild ist bald weg“, warnt ein Werbespot: „DVB-T wird abgeschaltet!“ Die Firma Freenet fordert damit die Zuschauer auf, möglichst schnell auf DVB-T2 HD umzurüsten, den neuen Standard fürs Antennenfernsehen, der in vielen Regionen ab Ende März ausgestrahlt wird.

Es besteht kein Grund, in Panik zu verfallen. Mit der dramatischen Botschaft will die Firma das Geschäft ankurbeln – gerade in der Weihnachtszeit sitzt das Geld für Elektronik locker. Dennoch ist es sinnvoll, dass sich Zuschauer, die über Antenne fernsehen, bald Gedanken machen.

Denn wer zu lange wartet, könnte nach der Umstellung tatsächlich kurzzeitig ohne Bild dastehen: „Wir befürchten, dass es im März nicht genügend Geräte gibt“, sagt Wolfgang Breuer, Chef der Firma Media Broadcast, die seit März zu Freenet gehört. Gedanken machen bedeutet aber auch, über Alternativen nachzudenken, ob Satellit, Kabel oder Internet.

Der Name deutet es an: DVB-T2 HD ist eine Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Mit dem neuen Standard ist es möglich, Bilder im hochauflösenden HD-Format zu übertragen – anders als bei Satellit, Kabel und Internet-TV geht das per Antenne bislang nicht. Zudem werden künftig mehr Programme angeboten. Auch etliche Privatsender sollen verfügbar sein, wenn auch gegen Gebühr.

Die Einführung des neuen Standards steht schon länger fest. Bereits vor der Fußball-Europameisterschaft im Sommer begann in etlichen Ballungsräumen der Testbetrieb, seitdem können Zuschauer dort mit den richtigen Geräten das Antennenfernsehen scharf stellen. Am 29. März erfolgt in vielen Regionen die vollständige Umstellung, weitere Standorte sollen später folgen. „In der Ausbaustufe sollen 80 Prozent der Deutschen DVB-T2 HD gucken können“, verspricht Media-Broadcast-Manager Breuer – beim alten Standard sind es rund 67 Prozent. Genauere Informationen stellt der Betreiber auf der Website http://www.dvbt2hd.de/ zur Verfügung.

Doch wie die Werbung schon sagt: Ohne neue Receiver bleiben die meisten Bildschirme schwarz. Denn alte Geräte kommen in der Regel nicht mit dem effizienten Komprimierungsstandard HEVC (H.265) klar, der bei DVB-T2 HD die Datenmenge so schrumpfen lässt, dass trotz weniger Bandbreite eine bessere Bildqualität möglich ist. Millionen von Empfangsboxen werden deswegen bald zu Elektroschrott.

Was also sollten Zuschauer tun?

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Kabel, Satellit und Internet als Alternativen

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Herr Fischer:

    > Wenn man gewollt hätte, hätte man DVB-T2 abwärtskompatibel machen können. So wie das Farbfernsehen mit den SW-Geräten immer noch zu empfangen war.

    Da verkennen Sie die technischen Hintergründe: Die Farbart-Signale im analogen Fernsehen konnte man mit diversen Tricks in das S/W-Signal integrieren. Für die Röhrentechnik im Jahr 1967 ging man da an die technischen Grenzen. Als Kompromiss nahm man hin, dass bestimmte Flimmereffekte auftraten - ganz besonders bei S/W-Fernsehern.

    Die heutige digitale Übertragung funktioniert völlig anders.

    > Und selbst wenn man parallel noch DVB-T in SD senden würde, wäre der Aufwand gering. Die Datenmenge pro Sender ist bei HD vier mal so hoch.

    "Parallel" geht nicht, weil der obere UHF-Bereich, in dem in analogen Zeiten vor allem die 3. Programme übertragen wurden, für die Internet-Versorgung (Stichwort LTE) umgewidmet wurde - es gibt schlicht keine Frequenzen dafür. Sie unterschätzen auch massiv den Aufwand, der mit dem Betrieb von DVB-T-Sendern verbunden ist. Es gibt schon genug Stimmen, die die DVB-T-Verbreitung, egal in welcher Form, sowieso für Geldverschwendung halten.

    In Deutschland ging man den langfristig sinnvollsten Weg, den besten aktuell verfügbaren Komprimieralgorithmus einzuführen. Deshalb sind DVB-T2-Empfänger aus vielen anderen Ländern bei uns nicht nutzbar. Die sind schlicht auf einem älteren technischen Stand.

    Aus diesem Grund ist auch Ihr Argument, HD-Bilder bräuchten die vierfache Datenmenge, schlicht falsch: Durch die bessere Komprimierung wird das Verhältnis viel kleiner.

    Für eine Übergangszeit haben wir jetzt das erwähnte Schrottproblem und die Unbequemlichkeit mit den DVB-T2-Settop-Boxen. In fünf Jahren kräht kein Hahn mehr danach.

  • Wenn man gewollt hätte, hätte man DVB-T2 abwärtskompatibel machen können. So wie das Farbfernsehen mit den SW-Geräten immer noch zu empfangen war. Und selbst wenn man parallel noch DVB-T in SD senden würde, wäre der Aufwand gering. Die Datenmenge pro Sender ist bei HD vier mal so hoch.

    Aber warum sollte sich die Wirtschaft diese einmalige Chance, den Umsatz anzukurbeln, entgehen lassen?! Übrigens, ich kaufe schon lange nicht mehr den neuesten Elektroschrott, und richtigen TV habe ich eh nicht und gucke auch nur sehr selten. Es gibt ja Youtube, da kann ich alles sehen was ich will und wann ich will.

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