Ein neuer technologischer Wettlauf zwischen Plattenfirmen und Musiktauschbörsen hat begonnen
Musikindustrie spielt Hase und Igel

Dreister als das Unternehmen Steganos aus Frankfurt kann man kaum werben: „Sie nutzen Kazaa oder andere Tauschbörsen? Endlich entspannt Dateien tauschen. Jetzt erst recht.“ So steht es auf der Webseite der Hessen. „Secure Filesharing“ heißt das Programm, das jedem Manager in der Musikindustrie die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte. Die Software vernichtet Beweise, die ein Staatsanwalt braucht, wenn er Surfern auf der Spur ist, die über Internettauschbörsen urheberrechtlich geschütztes Material zur Verfügung stellen.

DÜSSELDORF. Anlass zur Suche hat die Staatsanwaltschaft seit Ende März. Vor einigen Wochen erstattete die Deutsche Landesgruppe des Musikindustrieverbandes IFPI 68 Strafanzeigen gegen Unbekannt. Dem Verband kommt zu Gute, dass die Nutzer von Tauschbörsen nur scheinbar anonym sind. Jeder einzelne Computer, der sich ins Internet einwählt, bekommt vom Internet Service Provider für die Zeit der Einwahl eine sogenannte IP-Adresse zugewiesen. Von ihr aus werden alle Bytes auf die Reise geschickt, wenn ein Nutzer einen anderen ein Musikstück über das Internet kopieren lässt. Die Provider speichern die Adressdaten, um Rechnungen stellen zu können. Anhand dieser Verbindungsdaten wollen die Branchenvertreter einige Filesharer identifiziert haben. Harte Schadensersatzurteile für diejenigen, die urheberrechtlich geschützte Musik im großen Stil bereit stellen, sollen weitere Anbieter von Musikdownloads ins Grübeln bringen, erklärt Hartmut Spiesecke, Sprecher der IFPI.

Doch gerichtsfest ist das Verfahren, Gesetzesbrecher allein anhand von IP-Adressen dingfest zu machen, keineswegs. Ähnlich wie beim Fahrzeughalter, der nicht erklären kann, wer tatsächlich mit seinem Wagen über eine Rote Ampel gefahren ist, sind zwar im Zweifelsfall die Anschlussinhaber haftbar, wenn die Übertäter nicht zweifelsfrei auszumachen sind. Das kann der Fall sein, wenn hinter einer IP-Adresse ein Router steckt, an den mehrere Computer einer Wohngemeinschaft oder einer kleinen Firma angeschlossen sind. Unannehmlichkeiten bleiben also auch mit „Secure Filesharing“ nicht aus. Aber in der Regel verlangen Richter bei vermuteten Urheberrechtsverletzungen, dass die Ermittler eindeutige Beweise auf beschlagnahmten Computern finden, also Tauschbörsen- oder Kopiersoftware der Musikstücke, die illegal verbreitet wurden.

Die beizubringen, erschwert die Software aus Frankfurt erheblich, indem sie sich in alle gängigen Tauschbörsen einklinkt. Alle Daten, die herunter geladen werden, verschlüsselt sie automatisch mit einem 128 Bit langem Schlüssel und speichert sie in einem Datentresor. Eine weitere Funktion löscht Spuren wie die letzten Suchanfragen. „Natürlich ist derartige Software nicht illegal“, schimpft IFPI-Sprecher Hartmut Spiesecke. „Aber damit zu werben, dass man angeblich sicher urheberrechtlich geschützte Musik runter laden kann, ist geschmacklos.“

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