Ein Tag im Leben des Holger S.
Im Internet ist man nie mehr allein

Der Mensch des Internet-Zeitalters ähnelt einem Sender, der beständig nichts anderes tut, als Daten zu verschicken. Bei fast allem, was wir im Alltag tun, hinterlassen wir eine Spur an persönlichen Informationen. Nehmen wir unseren - fiktiven - Helden Holger S.

tho DÜSSELDORF. Sein Leben als Datensender beginnt schon am Morgen, wenn er nach dem Aufstehen sein Handy einschaltet: Das Gerät meldet sich automatisch beim Betreiber des Mobilfunknetzes an. Kauft er auf dem Weg zur Arbeit an einer Tankstelle ein und nutzt dabei eine der beliebten Bonus-Karten, sieht das der Betreiber des Rabattsystems und aktualisiert umgehend sein Konsumentenprofil.

Die meisten Spuren aber hinterlässt Holger S. als Surfer im Internet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob er von zuhause aus oder am Arbeitsplatz loslegt. Egal, ob er nach Auskünften über ein bestimmtes Unternehmen oder nach Tipps für die Freizeitgestaltung sucht, ob er E-Mails schreibt oder beim Online-Händler ein Buch bestellt - stets werden seine Anfragen und Informationen von den Anbietern erfasst und gespeichert. In vielen Fällen bemerkt Holger S. das überhaupt nicht, denn die Daten werden von Software-Programmen wie den sogenannten Cookies übermittelt - ungefragt.

Wie unser Held, so geben Millionen Menschen jeden Tag freiwillig viel von sich preis. Mit jedem Tag wächst die Internet-Gemeinde, und mit ihr die Menge zur Verfügung stehender Daten. Glaubt man dem deutschen Branchenverband Bitkom, sind in diesem Jahr mehr als 1,2 Milliarden Menschen online, das ist jeder fünfte Mensch auf dem Globus. Die Community hat sich damit innerhalb von sechs Jahren mehr als verdoppelt, 2002 nutzten gerade einmal 600 Millionen Menschen das Netz.

Besonders erfolgreich sind die Sozialen Netzwerke - und sie sammeln sehr viele Daten. Über 120 Millionen zumeist junge Nutzer sind bei Facebook registriert, beim deutschen Marktführer StudiVZ und seinen Ablegern sind es immerhin schon zehn Millionen. Dort haben sie ein detailliertes Profil von sich angelegt, um sich mit Freunden und Gleichgesinnten auszutauschen.

Auch Holger S. nutzt sein elektronisches Netzwerk, womit seine tägliche Datenspur immer größer wird - und der Appetit derjenigen, die etwas damit anfangen möchten. Denn nicht nur eine Vielzahl von Firmen sammelt die kostbaren persönlichen Informationen ein - auch immer mehr staatliche Institutionen wollen dabei sein.

Den größten Datenhunger hat das amerikanische Heimatschutz-Ministerium. Wenn Holger S. am Ende eines langen Tages in sein Bett in einem New Yorker Hotel fällt, dann ist eines sicher: Das Ministerium weiß mehr von ihm, als er sich träumen lässt.

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