Elpida baut weltgrößte Chipfabrik für 4,5 Milliarden Dollar und greift damit Infineon an
Wettrüsten in der Chipindustrie geht in eine neue Runde

Die Anbieter von Speicherchips rüsten ungehemmt weiter auf: Der japanische Halbleiterproduzent Elpida kündigte an, in den nächsten drei Jahren bis zu 4,5 Mrd. Dollar in ein neues Speicherchip-Werk zu investieren. Es wäre die weltweit größte Fabrik der Branche.

jojo MÜNCHEN. In den vergangenen Monaten hatten bereits die meisten anderen großen Chip-Produzenten mitgeteilt, dass sie ihre Kapazitäten ausbauen wollen.

Die Milliarden-Investition von Elpida nährt die Furcht vor neuen Überkapazitäten in der traditionell stark schwankenden Branche. Denn Analysten gehen davon aus, dass die Preise in zwei Jahren wieder einbrachen werden. Erst Ende April hatte der Münchener Chiphersteller Infineon angekündigt, eine Mrd. Dollar in den Ausbau seiner Fabrik in Richmond/USA zu stecken.

Die frühere Siemens-Tochter hatte während des Branchenbooms im Jahr 2000 mit dem Bau begonnen. Mit dem Abschwung 2001 stoppte der Konzern aber die Erweiterung. Jetzt, da die tiefe Branchenkrise vorbei ist und Infineon wieder Gewinne schreibt, gab das Unternehmen die Mittel erneut frei. Die Produktion soll Anfang kommenden Jahres starten. Zudem haben die Münchener zusammen mit ihrem Partner Nanya erst kürzlich für 2,2 Mrd. Euro eine Fabrik in Taiwan gebaut, in der jetzt die ersten Chips hergestellt werden.

Im geplanten neuen Werk von Elpida im japanischen Hiroshima werden die Maschinen vermutlich erst im Jahr 2007 voll laufen. Der Zeitpunkt ist möglicherweise geschickt gewählt, denn der Industrieverband WSTS rechnet für 2007 bereits wieder mit zweistelligen Wachstumsraten der Halbleiterindustrie. 2005 und 2006 müsse sich die Branche aber auf schwächere Jahre einstellen, teilte die Vereinigung vergangene Woche mit. Das Spitzenjahr wird 2004 mit einem Umsatzplus von bis zu 30 Prozent.

Elpida und Infineon sind nicht die einzigen, die momentan investieren. Vor allem aufstrebende chinesischen Hersteller wie der Infineon- Partner SMIC geben viel Geld aus für neue Fabriken. Selbst angeschlagene Produzenten wie der koreanische Hynix-Konzern wollen jetzt wieder investieren.

Elpida will massiv Marktanteile gewinnen

Mit einem Marktanteil von 4,5 Prozent war Elpida nach Angaben der Marktforscher von I-Suppli im ersten Quartal die Nummer sieben im weltweiten Speicherchip-Geschäft. Das Joint-Venture der Elektronik-Konzerne Hitachi und NEC hatte im vergangenen Jahr starke Einbußen hinnehmen müssen, während Wettbewerber wie Infineon oder Hynix kräftig zulegen konnten. Mit weitem Abstand Marktführer bei Speicherchips ist der koreanische Samsung-Konzern vor der US-Firma Micron, Hynix und Infineon.

Analysten gehen davon aus, dass Elpida mit dem neuen Werk in Hiroshima massiv Marktanteile gewinnen und die Kosten senken möchte. Elpida ist der letzte verbliebene japanische Dram-Produzent, alle anderen Konzerne des Landes haben sich aus dem risikoreichen Geschäft zurück gezogen. Um die Investitionen zu finanzieren, plane das Unternehmen einen Börsengang, hieß es in Japan.

Im Dram-Geschäft sind im vergangenen Abschwung bei den meisten Herstellern hohe Verluste angefallen. Deshalb überprüft auch Infineon in diesen Tagen, ob der Konzern seine Dram-Sparte ausgliedern oder gar verkaufen soll. Nach Angaben aus Branchenkreisen sieht es derzeit aber so aus, als werde das Unternehmen die Sparte behalten, die rund 40 Prozent des Konzern- Umsatzes erwirtschaftet. Eine Entscheidung werde möglicherweise bereits kommende Woche bekannt gegeben, hieß es.

Zuletzt gab es auch Spekulationen, Infineon könnte einen Partner für sein Dram-Geschäft suchen. Dabei war unter anderem Elpida ins Gespräch gekommen. Die Japaner verwenden eine komplett andere Produktionstechnologie als Infineon und könnten gerade deshalb für die Deutschen interessant sein, wurde spekuliert.

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