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Finale bleibt aus: mobilcom-Gründer verzichtet auf Auftritt

Erst wenige Jahre ist es her, dass Gerhard Schmid mit einem Vermögen von rund drei Mrd. Euro einer der reichsten Männer der Republik war: Gründer und Vorstandschef des Mobilfunkunternehmens mobilcom, Besitzer einer UMTS-Lizenz, einer der Stars am Neuen Markt.

dpa BERLIN. Erst wenige Jahre ist es her, dass Gerhard Schmid mit einem Vermögen von rund drei Mrd. Euro einer der reichsten Männer der Republik war: Gründer und Vorstandschef des Mobilfunkunternehmens mobilcom, Besitzer einer UMTS-Lizenz, einer der Stars am Neuen Markt.

Am Freitag auf der mobilcom-Hauptversammlung im Berliner „Tempodrom“ ist der 52-Jährige nur noch einer von vielen. Im Nadelstreifenanzug zwar und mit feiner Krawatte, aber nicht mehr auf der Bühne, sondern auf den Rängen, irgendwo in der dritten Reihe.

Nicht einmal Kleinaktionär will der Ex-Milliardär mehr sein. Bei der Einlasskontrolle beteuert Schmid wieder, an seinem früheren Konzern keine einzige Aktie mehr zu halten. „Ich bin insolvent. Dann kann ich keine Anteile besitzen.“ Dass er trotzdem erscheinen kann, verdankt er Ehefrau Sybille Schmid-Sindram, die ein großes Aktienpaket besitzt. Das Ehepaar führt jetzt gemeinsam einen Feldzug gegen mobilcom-Großaktionär France Télécom (29,1 Prozent).

Mit dem Partner von einst liegt Schmid im Dauer-Clinch. Im Sommer 2000 kaufte man für mehr als 8,4 Mrd. Euro noch gemeinsam eine UMTS-Lizenz. Zwei Jahre später zogen sich die Franzosen zurück, Schmid verlor seinen Vorstandsposten, mobilcom geriet an den Rand des Zusammenbruchs. Nach Auffassung des Ex-Chefs hat France Télécom damit bei seiner Ex-Firma mit Sitz in Büdelsdorf (Schleswig-Holstein) ein Desaster angerichtet. Deshalb will er eine Schadensersatzklage in Milliardenhöhe anzetteln.

Aufsichtsrat und amtierender Vorstand halten von all dem nichts. Der heutige mobilcom-Chef Thorsten Grenz wirft seinem Vorgänger vor, das wieder gesundete Unternehmen in eine „sinnlose rechtliche Auseinandersetzung“ zwingen zu wollen. „Das würde zumindest Zeit und einiges an Geld kosten - und vielleicht mehr.“ Der Streit mit dem Firmengründer beschäftigt jetzt schon Staatsanwaltschaften und Gerichte.

Dabei geht es insbesondere darum, ob Schmid tatsächlich vom Geld seiner Frau leben muss, die über 2,9 Mill. mobilcom-Aktien im Wert von rund 47 Mill. Euro verfügt - immerhin knapp fünf Prozent des Kapitals. Allerdings gibt es Zweifel, ob sie das Vermögen vom Gatten tatsächlich schon vor dessen Privat-Insolvenz bekommen hat.

Mit von der Partie ist der Rechtsanwalt und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der von seiner Mandantin Schmid-Sindram Aktien übertragen bekam - angeblich, um mögliche Prozesskosten inklusive der eigenen Honorare abzusichern. Kubicki kündigte an, die Anträge auf Schadensersatz „aus voller Überzeugung“ zu unterstützen. Allerdings war es Freitagabend auch nach mehr als acht Stunden noch nicht so weit.

Der Ex-Chef verfolgte die Debatten den ganzen Tag über aus den hinteren Reihen. Auf seinen mit Spannung erwarteten Auftritt mussten die angereisten Aktionäre dann allerdings verzichten. Am Abend erklärte Schmid zur allgemeinen Überraschung, dass er von seinem Rederecht überhaupt nicht Gebrauch machen werde. Die meisten Aktionäre, die so lange ausgeharrt hatten, vermuteten, dass er sich nicht mit einem schlechten Auftritt die Chancen auf einen Abstimmungs-Erfolg vermasseln wollte. Ob die Taktik Erfolg hatte, sollte sich erst im Lauf des Abends herausstellen.

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