Finanzkrise in Second Life
Bankencrash im zweiten Leben

Während die Weltfinanzmärkte im Fieber des Subprime-Virus taumeln, spielt sich in der virtuellen Welt Second Life ebenfalls eine Krise des Finanzsystems ab. Doch wer glaubt, im Internet würden andere Regeln gelten, der irrt. Es geht zu wie in der Wirklichkeit. Eine Handelsblatt-Reportage.

DÜSSELDORF. Lang ist die Schlange vor dem Geldautomaten und bunt ihre Glieder: Normalos stehen neben Damen in knapper Lederkleidung, sogar ein breitbrüstiger Herr mit Flügeln ist zu finden. So unterschiedlich ihr Aussehen, so einstimmig und gewaltig ist der Zorn der Wartenden. Sie wollen ihr Geld. Sofort. Einzahlen will niemand mehr bei Ginko Financial, alle wollen nur abheben, abheben, abheben. Ergebnis: Die Bank macht zu.

Während die Weltfinanzmärkte im Fieber des Subprime-Virus taumeln, spielt sich in der virtuellen Welt Second Life ebenfalls eine Krise des Finanzsystems ab. Und wer vergisst, dass es hier um eine Art Internet-basiertes Spiel geht, ein Metaversum, wie es die Experten nennen, der glaubt, eine Geschichte zu hören, wie aus den Zeiten des Frühkapitalismus oder des Wilden Westens. Und der Aufstieg und Fall von Ginko zeigt, dass ein Online-Angebot, erreicht es eine bestimmte Größe, Regeln braucht, wie die reale Welt auch.

Die Geschichte beginnt, als der Brasilianer Andre Sanchez ein Buch liest, es ist eine Biografie des Unternehmers und Bankgründers Irineu Evangelista de Sousa. Danach, schreibt Sanchez im E-Mail-Interview mit dem US-Anwalt und Blogger Benjamin Duranske, „wollte ich einfach eine Bank gründen“.

Keine Bankenaufsicht, keine Genehmigung – einfach loslegen

Nirgends geht das einfacher als bei Second Life: Keine Bankenaufsicht, keine Genehmigung – einfach loslegen. Der Bedarf ist da: Seit Anfang des Jahres wird die virtuelle Welt überschwemmt von Casino-Spielen und Sportwetten. Und die Spieler würden ihr Geld gerne parken, mit Zinsen, versteht sich. Auch für Zockerangebote gilt: einfach machen.

Andreas Frankfurter, ein deutscher Netzwerkmanager in Südamerika gehörte zu den Ersten, die Sportwetten bei Second Life offerierten. „Ich wollte eigentlich kein Geld verdienen, sondern vor allem keines verlieren“, sagt er im Februar dem Handelsblatt. Zu dieser Zeit platzieren einige Hundert Sportfans bei ihm Wetten auf reale Fußballspiele. Und aus verschiedenen Ländern melden sich Wettunternehmer, um die von ihm programmierte Software zu kaufen.

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