Früherkennung
Playstation beschleunigt die Diagnose

Der Kampf gegen Krebs wird künftig auch an einer Spielekonsole ausgetragen: Bei der Erkennung mancher Arten der Erkrankung bieten die Fähigkeiten der Playstation 3 eine Möglichkeit zur schnellen und günstigen Diagnose. Mit einem handelsüblichen Gerät ist es jedoch noch nicht getan.

BERLIN. Tim Conrad daddelt im Dienst stundenlang mit seiner Playstation 3. Was nach einem spaßigen Zeitvertreib aussieht, ist in Wahrheit reine Wissenschaft. Der Berliner Bio-Informatiker des DFG-Forschungszentrums hat Algorithmen entwickelt, die es ermöglichen, sehr schnell anhand eines Bluttropfens zu erkennen, ob eine Krebserkrankung vorliegt – die Playstation spielt dabei eine zentrale Rolle.

Auf der Suche nach den verräterischen Spuren von Prostata-, Hoden- und Bauchspeicheldrüsenkrebs werden zunächst die Moleküle eines Bluttropfens mit dem Laserstrahl eines Massenspektrometers beschossen, worauf sich diese lösen und je nach Gewicht, unterschiedlich weit fliegen – was erfasst wird. Die Methode, ein sogenannter Proteom-Test, wurde von Medizinern der Universitätsklinik Leipzig und der Charité entwickelt, wobei sich die Berliner Mathematiker und Informatiker um das Auswertungsverfahren kümmern. Unterstützt werden die Forscher von Microsoft Research. Ziel ist die sehr frühe Diagnose einer Krebserkrankung. Dabei machen sich die Wissenschaftler zunutze, dass Blut ein Gemisch von Proteinen enthält. Bestimmte Krankheiten können, lange bevor sie ausbrechen, anhand spezifischer Protein-Muster erkannt werden.

„Bei krebserkrankten Patienten können bestimmte Signale, sogenannte Peaks, mit dem Massenspektrometer nachgewiesen werden“, erklärt Bio-Informatiker Conrad. Bei der aufwendigen Auswertung der Rohdaten, für die ein neuer Algorithmus entwickelt wurde, kommt die Playstation ins Spiel.

„Das vermeintliche Spielzeug ist ein Hochleistungsrechner, der die Auswertung drastisch beschleunigt“, erklärt Conrad. Ein üblicher Computer benötige bis zu drei Stunden für die Untersuchung, jetzt vergehen nur noch etwa 20 Minuten. Erste Tests verliefen vielversprechend: „Durch die Methode steigt die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Sie ist zu 95 Prozent sicher. Außerdem können durch den Einsatz der Playstation mehr und sehr viel umfangreichere Studien durchgeführt werden“, sagt der Bio-Informatiker.

Günstiger wird das Verfahren zudem: „Dieser sogenannte blutige Fingerabdruck ist billiger als ein komplettes Blutbild, obwohl mehr Werte erfasst werden“, sagt der Forscher. Für die Diagnostik mit Hochleistungsrechnern wäre eine Investition von mehreren Hunderttausend Euro nötig, das Spielekonsolesystem kostet dagegen nur einige Tausend Euro.

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