Grüne Technologien
Klimawandel im Computer

Die wachsende Computerleistung treibt die Stromkosten und den CO2-Ausstoß der IT in die Höhe. Virtuelle Rechner sollen jetzt den Energiehunger drosseln. Doch noch ist Umweltbewustsein in der Branche eine Frage des Preises.
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DÜSSELDORF. Ein Computer ohne Stromanschluss - am Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge wurde der Traum vom Ökorechner im vergangenen Dezember zumindest für 20 Minuten wahr. Zehn Studenten strampelten auf Trimmrädern und trieben über Dynamos einen Linux-Rechner mit 648 Mikroprozessoren an - allein mit der Kraft ihrer Muskeln. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollte der Hersteller Sicortex auf das Strom sparende Design seiner Rechenmaschine aufmerksam machen.

Der Stromhunger aller Computer und der gesamten IT-Infrastruktur dieser Welt lässt sich mit Trimmrädern allerdings nicht stillen. Nach Schätzungen der Stanford University verbrauchten 2005 alle Rechenzentren weltweit inzwischen 120 Millionen Megawattstunden, etwa doppelt so viel wie noch fünf Jahre zuvor. Zum Vergleich: Der weltweit größte Stromfresser, die Spielerstadt Las Vegas im US-Wüstenstaat Nevada, hat einen jährlichen Stromverbrauch von 20 Millionen Megawattstunden.

Wenn nicht gegengesteuert werde, steige der Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2010 noch mal um 50 Prozent, warnt eine alarmierende Studie des Beratungsunternehmens Gartner. 18 Großkraftwerke wären nötig, um diesen Energiehunger zu decken - mit weitreichenden Folgen fürs Klima: Zwei Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes gehen auf das Konto von Informationstechnik, errechnete die Umweltorganisation WWF im vergangenen Jahr. Die Server genannten Hochleistungscomputer in den Rechenzentren steuern gut ein Drittel bei. Kleinvieh macht dabei auch Mist: Bei jeder Suchanfrage blasen die Google-Server geschätzte vier Gramm CO2 in die Luft - und das bei mehreren Hundert Millionen Abfragen pro Tag.

Weil Stromverbrauch, Energiekosten und CO2-Ausstoß in den weltweiten Rechenzentren geradezu explodieren sind Computerhersteller und Kunden gleichermaßen aufgeschreckt - "Green IT" ist laut den Marktforschern von Gartner derzeit Thema Nummer eins in der IT-Welt und war auch eines der großen Themen auf der Cebit. Das Thema Ökologie eignet sich sogar für Werbeaktionen: Die Deutsche Telekom wirbt auf Plakaten mit dem Slogan "Server, die Grünzeug fressen?" für ihr mit Biogas betriebenes neues Rechenzentrum nahe München.

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