Hersteller wollen Anwenderwissen zur Aktualisierung nutzen
Kunde schneller als sein Navigationssystem

Neue Straßen, Abrisse oder neu gesetzte Einbahnstraßenschilder können so manchen Autofahrer irritieren – sofern er sich allzu sehr auf sein Navigationssystem verlässt. Bislang stellten solche Änderungen auch das beste „Navi“ vor ein Dilemma. Bis Updates der Kartensteller vorliegen, vergehen viele Monate. Hersteller Tomtom sucht nach neuen Wegen, um die Zeit zwischen der Erfassung von neuen Straßenverläufen und der Aktualisierung beim Kunden zu verringern.

DÜSSELDORF. „Mit den bisherigen Verfahren haben wir keine Chance, die Lücke zu beseitigen“, sagt Hannes Albrecht, Marketingmanager bei Tomtom. Eine Lösung verspreche dagegen die Einbindung der Nutzer. So bietet das neue Navigationsgerät „GO 720 T“ die Möglichkeit, neue Straßenverläufe am Touchscreen nachzuzeichnen und lokal auf dem Gerät zu speichern. Über die mitgelieferte Software soll der Kunde die Änderung per PC an einen Firmenserver senden und anderen Autofahrern zur Verfügung stellen. Wer die Aktualisierungen abruft, kann entscheiden, ob er alle gemeldeten Änderungen oder nur die vom Hersteller geprüften herunterladen möchte. „Damit können wir die Aktualität des Kartenmaterials erheblich verbessern“, glaubt Albrecht.

Bisher rüsteten die Anbieter ihre Geräte vor allem zu Multifunktionsgeräten auf. Die neuen Wegweiser helfen ebenso beim Abbiegen wie sie auch MP3-Musik oder Videos abspielen, als Reiseführer fungieren oder als Freisprecheinrichtung fürs Handy dienen. Nun scheinen sich die Hersteller stärker auf die originären Ziele der Navigationssysteme zu besinnen. Die Navigation wird kontinuierlich verbessert, etwa durch „TMC“, einen Dienst, der Verkehrs- und Wetterdaten über Radiosignale ins Navigationssystem speist, um zum Beispiel bei Stauwarnungen alternative Routen zu empfehlen. Warnungen bei Geschwindigkeitsübertretungen gehören ebenso zum Repertoire einiger Geräte wie der Hinweis zum rechtzeitigen Wechsel in die richtige Fahrspur. Eine andere Baustelle ist die Stauprognose, für die Daten der Mobilfunknetzbetreiber genutzt werden sollen, um die Verkehrsdichte in Echtzeit zu messen – schließlich hinterlässt jedes empfangsbereite Handy permanent eine nachverfolgbare Spur. Tomtom kooperiert dazu mit Vodafone.

Auch Sicherheitsanwendungen stehen im Fokus der Niederländer – zum Beispiel ein Hilfe-Button. Wer diesen betätigt, erhält die GPS-Koordinaten des aktuellen Standorts, um sie an Rettungskräfte weiterzugeben. Außerdem kann über das Navigationsgerät, sofern es mit dem Handy verbunden ist, die gewünschte Verbindung zu nahen Ärzten, Krankenhäusern, Polizeiwachen oder Pannenhilfen aufgebaut werden. Weil die elektronischen Wegweiser auch außerhalb des Autos funktionieren, kann – wer beispielsweise auf Messeparkplätzen Probleme hat, das Auto wiederzufinden – beim Aussteigen die Position des geparkten Autos speichern und sich auf dem Rückweg elektronisch dorthin lotsen lassen.

Diese Zusatzdienste sind auch ein Versuch, im Wettbewerb stärker über Qualität und weniger über Preise zu konkurrieren. Gab es 2005 in Westeuropa 42 Anbieter von Navigationslösungen, sind es laut Marktforschungsinstitut GfK inzwischen 93. Das drückt auf den Preis. Mobile Navigationsgeräte gibt es inzwischen auch bei Lebensmitteldiscountern und das für weniger als 200 Euro. Laut Branchenverband Bitkom sind in Deutschland drei Millionen mobile Navigationssysteme im Einsatz. Allein 2007 sollen noch einmal so viele verkauft werden – mehr als fest installierte.

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