In Andalusien verringert durchgehende Datenverarbeitung die Kosten des Gesundheitswesens
Spanien ist Vorreiter bei der digitalen Gesundheitskarte

Die spanische Region Andalusien ist derzeit die einzige innerhalb der Europäischen Union, die bereits einen Großteil ihrer Krankenversorgung über eine durchgehende elektronische Datenverarbeitung organisiert hat. Eine zentrale Rolle spielt dabei die vor über einem Jahr eingeführte Gesundheitskarte

MADRID. Mit Hilfe der Gesundheitskarte haben Ärzte und Krankenschwestern Zugang zu der in einem elektronischen Archiv hinterlegten kompletten Krankengeschichte des Patienten. Bereits 66 Prozent der sieben Millionen Andalusier verfügen über eine solche E-Gesundheitskarte, im kommenden Jahr soll die Versorgung auf 80 Prozent steigen. „Das ist für Spanien ein enormer Fortschritt“, sagt Enric Colet, IT-Experte bei der spanischen Businessschule Esade in Barcelona. Spaniens Gesundheitsministerium plant, das andalusische E-Krankensystem, wenn es weiter ausgereift ist, auf das ganze Land auszubreiten.

Schon jetzt bemühen sich auch andere spanische Regionen wie etwa Katalonien, ihr Gesundheitswesen durch Elektronisierung effizienter zu machen. „Auch wenn die IT-Systeme derzeit noch unterschiedlich sind, so wird es später jedoch möglich sein, dass die Daten ausgetauscht werden“, sagt Colet, der „Diraya“ – wie das Projekt in Andalusien heißt – für das fortgeschrittenste hält. Andalusien hat bereits 1997 mit der Einführung eines E-Gesundheitssystems begonnen. Vor über einem Jahr startete schließlich das spanische Technologieunternehmen Indra mit der Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte. Seit diesem Jahr ist auch der US-Softwarehersteller Oracle bei der weiteren Elektronisierung der andalusischen Gesundheitsversorgung mit von der Partie.

Und so funktioniert es: Bei jedem Arztbesuch – bisher sind hauptsächlich Hausärzte eingebunden – wird die neue Information über den Patienten von dem dafür per Code autorisierten medizinischen Personal in dem nummerierten Archiv der jeweiligen Krankengeschichte hinterlegt. Damit chronisch Kranke nicht jedes Rezept neu beantragen müssen, schreibt ihr behandelnder Arzt in diesem Archiv einen Behandlungsverlauf mit Rezepten für mehrere Monate auf. Der Patient geht dann mit seiner Karte in die Apotheke und erhält das Medikament.

Selbst die Terminverwaltung der Hausärzte wurde in Andalusien inzwischen komplett zentralisiert. Per Callcenter können die Patienten rund um die Uhr einen Besuch beim Hausarzt vereinbaren. Schon bald soll das System auch auf die Fachärzte übertragen werden.

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