Internet-Telefondienst
Teufelskreis zwang Skype in die Knie

Ein Fehler im Skype-Client für Windows kombiniert mit einer erhöhten Last auf einigen Servern verursachte den weitgehenden Ausfall des Skype-Netzes kurz vor Weihnachten. Dadurch wurde eine Art Teufelskreis in Gang gesetzt, der Skype komplett in die Knie zwang.
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BERLIN. Der Ausfall von Skype kurz vor Weihnachten 2010 wurde durch eine Kombination von zwei Problemen ausgelöst. Knackpunkt war ein Fehler in Skype 5.0.0152 für Windows, der dafür sorgte, dass die Clients Delay-Nachrichten von überlasteten Servern nicht korrekt verarbeiten und die Skype-Software zum Absturz brachten. Ausgelöst wurde dies durch eine erhöhte Last auf einem Cluster von Servern, die für Offline-Instant-Messaging verantwortlich waren, was eben zu den besagten Delay-Nachrichten führte, beschreibt Skype-CIO Lars Rabbe in einem Blog-Eintrag.

Dadurch wurde eine sich selbst bestärkende Feedbackschleife in Gang gesetzt, die Skype letztendlich für die meisten Nutzer unerreichbar machte. Da rund 50 Prozent aller Skype-Nutzer die fehlerhafte Skype-Version 5.0.0152 für Windows nutzten, fielen durch die Delay-Nachrichten der überlasteten Offline-IM-Server rund 40 Prozent dieser Clients aus und damit auch 25 bis 30 Prozent der öffentlich verfügbaren Skype-Supernodes. Diesen Supernodes kommt eine zentrale Rolle im Peer-to-Peer-Netz von Skype zu: Diese Clients fungieren als eine Art Verzeichnis und helfen anderen Skype-Clients, Verbindungen herzustellen. Auf einen solchen Supernode kommen typischerweise mehrere hundert normale

Durch den Ausfall der Supernodes wurde die Last auf den noch funktionierenden Supernodes erhöht, denn es dauert einige Zeit, bis ein ausgefallener Supernode wieder voll hergestellt ist. Unter normalen Umständen wäre dieser Ausfall wohl kein Problem gewesen, doch das Problem wurde durch zwei Faktoren verstärkt: Zum einen begann der Ausfall kurz vor der Stunde am Tag, in der Skype die höchste Last hat. Zum anderen wurden die abgestürzten Skype-Clients in aller Regel neu gestartet. Diese zahlreichen Neustarts verstärkten die Last auf die verbliebenen Supernodes enorm, so dass diese rund 100-mal mehr Anfragen bekamen, als das normalerweise der Fall ist.

Nun sind die Supernodes mit einem Sicherheitsmechanismus ausgestattet, der negative Auswirkungen auf die Hostsysteme verhindern soll: Wenn bestimmte Betriebsparameter überschritten werden, schalten sich die Supernodes ab, was durch die extrem hohe Zahl an Anfragen wohl bei einigen Supernodes passiert ist und den Effekt weiter verstärkte, da nun noch weniger Supernodes für die Anfragen zur Verfügung standen. Nach einigen Stunden war Skype dann für mehr als 24 Stunden für viele Nutzer unerreichbar.

Um das Netz wieder in Betrieb zu nehmen, integrierte Skype einige hundert Instanzen ins Netz, die als dedizierte Supernodes ausgelegt waren. Das half zunächst aber nur bedingt, so dass weitere dieser Mega-Supernodes hinzugeschaltet werden mussten, bis sich das Peer-to-Peer-Netz erholt hatte.

Mittlerweile wurden die ersten Mega-Supernodes wieder abgezogen, einige bleiben aber in Betrieb, um über die restlichen Feiertage das Netz abzusichern. Um solche Ausfälle in Zukunft zu vermeiden, will Skype 2011 stärker in die eigene Infrastruktur investieren, die Prüfung der eigenen Software verbessern und die eigenen Prozesse überprüfen.

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