Kostenpflichtige Software geplant
Google revolutioniert die Suche in Firmendaten

Mit der Enterprise-Suchmaschine 6.0 verspricht Google großen Unternehmen die Suche in bis zu einer Milliarde interner Dokumente in Sekundenschnelle und auf Knopfdruck. Das ist mehr, als die Websuchmaschine Google.com im Jahr 2000 überhaupt an Web-Seiten zu bieten hatte.

LOS ANGELES. Die GSA 6.0 genannte Technologie ist die Antwort auf die Akquisition des Suchspezialisten Fast durch Microsoft Anfang 2008. Der Kampf um die Vorherrschaft im milliardenschweren Business-Markt geht in die nächste Runde. Einer der ersten Anwender der neuen Google-Suche ist die US-Weltraumbehörde Nasa.

GSA 6.0 (Google Search Appliance) basiert auf einer völlig neuen Hardware- und Softwarebasis, so Matt Glotzbach, Product Management Director Google Enterprise, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die neuen Server GB 7007 für bis zu zehn Mio. Dokumente und GB 9009 für bis zu einer Milliarde Dokumente seien vielfältig und durch „Plug&Play“ einfachzu skalieren. Eine der wichtigsten Neuerungen sei die Möglichkeit, dass alle Abteilungen eines Unternehmens ihre Daten weiterhin völlig autark und nach eigenem Ermessen verwalten können. Aber gleichzeitig liefere die unternehmensweite Suche ein einheitlich aufbereitetes Ergebnis.

Von Google wurden Features wie die Suchwortempfehlung übernommen, nach dem Eintippen des ersten Suchworts empfiehlt die GSA-6.0-Engine eigenständig weitere Suchwörter, die die Suche für den Mitarbeiter ergiebiger machen können. Jeder Mitarbeiter kann besonders relevante Dokumente kennzeichnen, je öfter das passiert, desto weiter wandern solche Seiten in der Trefferliste nach oben. Die Eingabe eines Mitarbeiternamens in das Suchfeld fördert dann zum Beispiel sein Foto mit Angaben wie Durchwahlnummer und E-Mail zu Tage und listet nach Relevanz alle Präsentationen, Blogeinträge, Dokumente oder Ausarbeitungen auf, sowie alle Dokumente, die seinen Namen enthalten, soweit sie dafür freigegeben sind. „Das Datenvolumen in einem wissens-getriebenen Unternehmen nimmt täglich im Schnitt um 70 Prozent zu“, so Glotzbach.

Die Nutzbarmachung dieses Wissens ist ein zukunftsträchtiges und lukratives Geschäft. „Die Nasa hat zahlreiche Standorte und komplexe Intranets. Die Google Search Appliance 6.0 kann sie alle unabhängig voneinander durchsuchen, bietet aber einheitliche Ergebnisse, durch die die Nasa-Mitarbeiter schnell navigieren können und die ihre Produktivität erhöhen“, sagt Mike Hecker, stellvertretender Technikchef bei der Weltraumbehörde Nasa. Das werden auch andere Unternehmen in der Krise gerne versuchen. „Der Markt für Search- and Discovery-Software hat 2008 unsere Erwartungen weit übertroffen und ist auch im ersten Quartal 2009 weiter stark gewachsen,“ so Analystin Su Feldman von IDC, für das laufende Jahr werden immer noch über zwölf Prozent plus veranschlagt. Im Unterschied zur normalen Websuche ist das Geschäft nicht abhängig von Werbeeinnahmen. Die kleinste Servereinheit von GSA 6.0 mit einer Lizenz für 500 000 Dokumente kostet bei Google zum Beispiel rund 30 000 Dollar.

Größte Google-Konkurrenten sind Spezialisten wie Autonomy oder Dieselpoint und Großkonzerne wie Oracle oder Microsoft. Der Erzfeind aus Redmond hatte 2008 Fast Search, einen norwegischen Spezialisten für unternehmensinterne Suche, für umgerechnet rund 1,2 Mrd. Dollar übernommen. Das war die drittgrößte Akquisition, die Microsoft bislang überhaupt getätigt hat. Microsoft wollte so das weitere Vordringen Googles unterbinden. In Zukunft soll in jeder neuen Unternehmensanwendung von Microsoft eine Suchfunktion integriert sein.

Mit der Version GSA 6.0 schlägt Google nun zurück: Erstmals ist eine Applikation integriert, die in Microsofts weitverbreiteter Kollaborationssoftware „Sharepoint“ die alte Microsoft-eigene Standardsuchmaschine durch Google ersetzt. Ein harter Schlag für Microsoft-CEO Steve Ballmer. Denn genau das sollte die Aufgabe von „Fast Search for SharePoint“ sein, ein Server zum Preis ab rund 25.000 Dollar. Doch der wird erst zusammen mit dem neuen „Office 2010“ im kommenden Jahr verfügbar sein und diese Zeit will Google nutzen: „Das gesamte Unternehmensgeschäft hat bei uns strategische Bedeutung“, stellt Glotzbach klar.„Und die Suche hat daran entscheidenden Anteil.“

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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