Kraftstoffe und Öle aus dauerhaft verflüssigtem Gas sind schadstoffarm und hochwertig, doch teuer in der Produktion
Erdgas liefert den saubersten Diesel

Bei Exxon-Mobil sind die Experten von dem Produkt begeistert. "Das fühlt sich an wie Babyöl", heißt es beim weltgrößten börsennotierten Ölkonzern. Der will aber nicht in die Kleinkinderkosmetik einsteigen. Es geht um dauerhaft verflüssigtes Erdgas, kurz GTL (Gas-to-Liquid).

DÜSSELDORF. Der US-Konzern hat gerade den Vertrag zum Bau einer rund 7 Mrd. US-Dollar teuren Anlage im Wüstenscheichtum Katar abgesegnet. Ab 2008 sollen über 100 000 Barrel GTL von dort täglich auf den Markt kommen (ein Barrel gleich 159 Liter). Das ist doppelt so viel wie die gesamte GTL-Produktion heute.

Beim Exxon-Werk in Katar wird es nicht bleiben. GTL ist das Modethema in der Branche. Auch Royal Dutch/Shell plant eine Anlage im Scheichtum; Conoco-Phillips will nebenan bauen. Denn Katar hat die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Der Iran hat ebenfalls Pläne in der Schublade, allerdings fürs eigene Land. "Alle großen Ölfirmen haben Patente auf das Verfahren", sagt Karl Schult-Bornemann-Heinz von Exxon-Mobil Central Europa.

GTL verspricht ein Bombengeschäft zu werden. Das verflüssigte und aufbereitete Gas gibt nämlich einen hervorragenden Diesel-Kraftstoff ab. GTL-Diesel hat neben einer besseren Energieausnutzung einen großen Umweltvorteil: Er ist frei von Schwefel und schafft es damit, die ab 2005 geltenden EU-Normen für Dieselkraftstoffe zu erfüllen.

Das ist die Theorie. Doch für den Einsatz im Massenmarkt als reiner Kraftstoff ist die Herstellung noch zu teuer. Die Kosten für die GTL-Produktion sind zwar ähnlich drastisch gefallen wie die für den Abbau von Ölsänden. Trotzdem lasse sich GTL noch am besten als Zusatzstoff bei Motor- und Hydraulikölen oder anderen Schmierstoffen einsetzen, sagt Exxon-Mobil-Sprecher Schult-Bornemann. Immerhin entfaltet das GTL auch als Additiv zum normalen Diesel eine positive Wirkung und kann den Schadstoffausstoß senken. Der Vorteil für die Ölkonzerne liegt auf der Hand: Sie sparen mit dem Einsatz von GTL langfristig das Geld für die Modernisierung ihrer Raffinerien, da sie die EU-Normen auch so einhalten.

Die Grundlagen des GTL-Verfahrens sind seit 80 Jahren bekannt. Entwickelt hat die Technik das deutsche Forscher-Duo Franz Fischer und Hans Tropsch. Die Nationalsozialisten setzten die Methode im Zweiten Weltkrieg im großen Stil ein, um aus Kohle den Sprit für ihre Panzer zu erhalten.

Das mit einem Öl-Embargo belegte Apartheidsregime in Südafrika entwickelte das Verfahren weiter. Die Basis war auch hier Kohle. Der südafrikanische Energiekonzern Sasol ist bis heute ein Spezialist für GTL und wird noch vor Exxon gemeinsam mit Qatar Petroleum eine Anlage mit einer Kapazität von 34 000 Barrel pro Tag fertig stellen.

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