Legales Downloadangebot
Musikindustrie einigt sich auf Internet-Plattform

Rechtzeitig zur Musikmesse Popkomm in Köln hat sich die deutsche Musikindustrie nach langwierigen Verhandlungen auf eine gemeinsame Internet-Plattform geeinigt.

Reuters KÖLN. Ab Herbst können Internetnutzer über die Plattform mit dem Arbeitstitel „Phonoline“ Musiktitel von nationalen und internationalen Künstlern gegen eine Gebühr aus dem Internet herunterladen, gab der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft am Donnerstag bekannt. Mit der Initiative will die Branche illegalen Online-Musiktauschbörsen begegnen, die Songs kostenlos zum Download anbieten und den Musikkonzernen und unabhängigen Labels das Geschäft kaputt machen. Das spiegelte sich auch in der Entwicklung des deutschen Musikmarktes im ersten Halbjahr 2003 wider.

Der Tonträgerabsatz brach um 16,3 % ein, der CD-Verkauf sogar um um mehr als 20 %. Der US-Konzern Microsoft kam den Firmen mit dem Start eines legalen Musik-Download-Angebots in Europa allerdings zuvor. Microsoft bietet mit der britischen Technologiefirma OD2 ab sofort rund 200 000 Musiktitel für je 99 Cent im Internet an, aber nur für Nutzer der Microsoft-Software Windows Media Player.

Seit fast zwei Jahren arbeiteten die deutschen Musikfirmen wie BMG und edel music sowie die deutschen Töchter der internationalen Konzerne wie Universal oder EMI an diesem Projekt, das auch als Modell für die internationale Zusammenarbeit der Musikindustrie gedacht ist. An Differenzen über den technischen Dienstleister drohte Phonoline zuletzt zu scheitern. Nun einigten sich die Beteiligten auf die Deutsche Telekom. Die Plattform wird dabei nicht auf einer eigenen Internetseite präsentiert, sondern in Auftritte zum Beispiel von RTL oder Viva integriert.

„Der Musikvertrieb im Internet wird einen steigenden Teil unserer zukünftigen Umsätze bilden. Das erfordert zwar enorme Anfangsinvestitionen, wir sind aber zuversichtlich, mit diesem attraktiven Angebot in den nächsten Jahren auch ökonomisch erfolgreich zu sein“, erklärte Phonoverbands-Chef Gerd Gebhardt.

Die bisherigen Versuche einzelner Musikkonzerne für ein legales Internet-Downloadangebot haben vor allem wegen des begrenzten Repertoires von meist nur einem Label wenig Erfolg gehabt. Der US-Computerkonzern Apple hatte dann im April aber einen Dienst mit mehr als 200 000 Titeln der fünf großen Musikkonzerne gestartet. Wöchentlich werden nun rund 500 000 Titel für je 99 Cent heruntergeladen.

„In Europa sind diese Zahlen nicht unerreichbar“, beschrieb OD2-Chef Charles Grimsdale die Ziele der Zusammenarbeit mit Microsoft. OD2 kann ebenfalls auf ein breites Musikangebot zurückgreifen, weil sie mit allen fünf großen Musiklabeln - BMG, Sony Music, Warner Music, Universal Music und EMI - Lizenzverträge geschlossen haben. Den Konzernen kann es im Prinzip auch egal sein, ob Musikliebhaber Songs über ihre eigene Internet-Plattform oder aus dem Angebot Dritter herunterladen - Hauptsache, sie zahlen dafür.

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