Neue Verfahrenstechnologie
Joghurtbecher verwandeln sich in Diesel

Diesel und Heizöl aus Abfall? Ein Traum für Entsorger. Nicht erst seit der Ölpreis Schwindel erregende Höhen erreicht hat - ohne Aussicht auf ein Ende des Aufwärtstrends. Doch nun ist mit der Polymer-Verdieselungsanlage CDP ein neues Verfahren auf dem Markt, mit dem sich aus kohlenwasserstoffhaltigen Abfällen Diesel oder Heizöl herstellen lässt.

BREMEN. "Wir wollen allerdings nicht mit den großen Ölförderern in Saudi- Arabien oder anderswo auf der Welt konkurrieren, sondern ein Entsorgungsproblem lösen", sagt Rainer Köhnlechner, Geschäftsführer der Firma Hamos im bayrischen Penzberg. Der Spezialist für Recycling und Separationstechnik vertreibt die Anlagen, die von Christian Koch von der Firma Alphakat entwickelt wurden. "Uns erreichen sehr viele Anfragen von Entsorgern", freut sich Köhnlechner, der das Verfahren auf der "Waste to Energy"- Messe im Dezember einem breiten Fachpublikum vorstellen wird.

Das rege Interesse der Branche ist kein Zufall. Seit die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASi) seit Anfang Juni in Kraft ist, darf Restmüll nicht mehr unbehandelt auf Deponien entsorgt werden. Er muss in Verbrennungsanlagen oder mechanisch-biologischen Anlagen beseitigt werden. Eine große Herausforderung für die Entsorger. Die Verbrennung einer Tonne Abfall kostet inzwischen bis zu 200 Euro. Die Ländergemeinschaft Abfall schätzt die Menge der zu entsorgenden Reststoffe in diesem Jahr auf 24,5 Mill. Tonnen. Darunter fallen vier bis fünf Mill. Tonnen Kunststoffe, mehr als vier Mill. Tonnen mineralische Öle und einige Hunderttausend Tonnen Pflanzenöl.

In der Polymer-Verdieselungsanlage CDP werden Kunststoffabfälle zunächst von Metall, Glas oder anderen Störstoffen befreit und getrocknet. Der Kunststoff wird dann in einem Reaktor erhitzt und ein Katalysator hinzugegeben. Wegen der Oberfläche des Materials kommt es zu einer schnellen Reaktion, und die Kohlenwasserstoffketten werden aufgespalten. Die Reaktionstemperatur liegt mit 300 bis 350 Grad über dem Siedepunkt von Diesel. Dieser verdampft und wird destilliert. Auf Grund der relativ niedrigen Temperaturen entstehen keine Giftstoffe wie Dioxin oder Furane. Im Kunststoff enthaltene Gifte und andere Stoffe, die nicht als Diesel verdampfen, verbleiben mit dem verbrauchten Katalysator im Reaktor. Auch Kunststoffe aus PVC können zu Diesel verarbeitet werden, sie reagieren mit dem Katalysator zu Salzen. Neben Kunststoffen lassen sich auch Autoreifen, Altöle, Fette, Wachse und andere kohlenwasserstoffhaltige Produkte in Diesel verwandeln. Mit Cetanzahlen zwischen 58 und 60 sogar zu einem hochwertigen - die Cetanzahl beschreibt die Zündwilligkeit von Dieselkraftstoff.

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