Neues MP3-Vertriebsmodell
Apple verhandelt über Musik-Abo

Käufer eines Ipods sollen gegen einen Aufpreis unbegrenzt Lieder herunterladen können. Ein solches Modell könnte auch der Musikbranche zu gute kommen, die bisher wenig vom Geschäft mit der mobilen Musik abbekommt. Doch noch ist man uneins über die Aufteilung der Einnahmen.

DÜSSELDORF. Der Computerhersteller Apple steht vor einer Neuorientierung seines Musikverkaufs Itunes. Nach Informationen der "Financial Times" und des Analysedienstes "Silicon Alley Insider" verhandelt Apple mit der Musikindustrie über ein Abo-Modell. Dabei sollen die Käufer des Musik-Spielers Ipod und des Handys Iphone einen Aufschlag auf den Kaufpreis entrichten und dafür unbegrenzt Musik herunterladen dürfen. Möglich sei auch eine monatliche Gebühr, für die Nutzer eine bestimmte Zahl von Liedern herunterladen könnten. Alternativ könnten sie weiter Lieder und Alben pro Stück ordern. Apple kommentierte die Meldung nicht. Im frühen New Yorker Handel fiel die Apple -Aktie parallel zum Markt.

Mehrere Musikdienste arbeiten mit Abo-Modellen. Zum Beispiel "Comes with Music" von Nokia: Die Finnen bieten Handys an, die unbegrenzt Zugriff auf die Musikdatenbank von Universal Music haben. Dafür zahlt Nokia an Universal angeblich 80 Dollar pro Gerät. Dieser Abschlag scheint im Moment der Reibungspunkt zwischen den Apple und den Plattenfirmen zu sein. Bisher habe der Ipod-Hersteller 20 Dollar pro Gerät geboten - das sei der Musikindustrie zu wenig. Marktforscher behaupten, Verbraucher seien bereit, bis zu 100 Dollar zu akzeptieren.

Für die taumelnde Musikbranche liegt der Reiz bei einer festen Summe in einem steten Liquiditätsstrom. "Der Apple -Plan löst teilweise ein Problem", sagt Douglas McIntyre, Chefredakteur des Anlagedienstes "24/7 Wall St.": Der Großteil der digitalen Musik stammt aus dem Bereich Raubkopien. Aber es gibt keinen Grund, etwas zu stehlen, was frei zu bekommen ist. Die Plattenfirmen machen kein Geld mit gestohlenen Inhalten. Das neue Programm würde ihnen mehr vom Kuchen abgeben."

Derzeit verkauft Apple Lieder bei Itunes für 99 Cent. Branchenkenner glauben, ein Drittel dieser Summe geht an Apple. Nach Schätzungen des Branchenmagazins "Billboard" wurden im Geschäftsjahr 2007 1,7 Mrd. Lieder über Itunes verkauft.

Für den Ipod könnte solch ein Pauschalangebot einen Schub bedeuten - den die Produktserie nach Meinung der Analysten von Piper Jaffray gebrauchen könnte. Sie prognostizieren, dass Apple im laufenden Quartal 9,7 Mill. bis 10,5 Mill. Ipods verkaufen dürfte - 200 000 weniger als die meisten Analysten schätzen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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