Nur ARD und ZDF zahlen Millionen für Auftritt
Private Sender bleiben IFA fern

Die Zeiten, als sich Deutschlands große Privatsender mit eigenen Programmen von der IFA meldeten, sind vorbei. "Das ist eine Unterhaltungselektronikmesse und keine Plattform, um Inhalte zu transportieren", sagt RTL-Sprecher Wolfram Kons.

HB DÜSSELDORF. Zum letzten Mal griff die Fernsehtochter des Medienkonzerns Bertelsmann vor acht Jahren tief in die Tasche, um im Zeichen des Funkturms die Werbetrommel zu rühren. Doch die Live-Sendungen waren alles andere als Publikumsmagneten. "Das Produkt wird nicht besser, nur weil eine Talksendung direkt auf der IFA hergestellt wird", räumt ein früherer Teilnehmer ein.

Bei RTL und Pro Sieben Sat1 sind zudem die Budgets für das Marketing knapp bemessen. "Wir konzentrieren uns lieber auf eine Fachmesse für Werbekunden und Agenturen", sagte eine Sprecherin von Pro Sieben Sat1. Seit vier Jahren sinken die Werbeeinnahmen, da wird jeder Euro zweimal umgedreht. In der Branche wird die IFA als "Grüne Woche" der Kommunikationsindustrie verspottet.

Im Gegensatz zu den Privaten treten ARD und ZDF auf der IFA wieder im großen Stil auf. Die ARD wird sich mit der Gebühreneinzugszentrale GEZ, der Fernsehlotterie sowie Sendern wie dem WDR in einer Halle präsentieren. "Es wird einen Marktplatz mit zehn Produktionsrunden und zwei Fernsehbühnen geben", sagte eine Sprecherin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), der bei der ARD für die IFA zuständig ist.

Das ZDF setzt ganz auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. "Wir werden in Berlin eine Art Fußballstadion bauen", sagte ein Sprecher. Die WM soll vor allem der neuen Fernsehgeneration im Format 16 : 9 zum Durchbruch verhelfen. Die Mainzer Anstalt kooperiert dabei mit dem fränkischen Unterhaltungsgerätehersteller Loewe. "Wir teilen uns mit Loewe eine halbe Halle." Kooperationen zwischen Programmanbietern und Inhaltelieferanten gelten in der Branche als richtungsweisend.

Zu den Kosten für ihren IFA-Auftritt schweigen ARD und ZDF. "Das ist ein komplexer Vertrag", wiegelt ein RBB-Sprecher ab. Insider berichten, dass die ARD ihren Etat auf 3,6 Mill. Euro erhöht hat. Nach Angaben des früheren IFA-Beauftragten der ARD, Peter Kröger, kostete der Messeauftritt des Ersten vor zwei Jahren rund 1,5 Mill. Euro. Das ZDF wird diesmal zwei Mill. Euro für den Auftritt in der Hauptstadt ausgeben.

Die Rechnung bezahlt der Gebührenzahler. Die Anstalten rechtfertigen den Aufwand damit, dass die IFA eine ideale Möglichkeit der Selbstdarstellung sei. Angesichts leerer Kassen gab es aber bereits bei der letzten Messe vor zwei Jahren heftige Kritik am Auftritt von ARD und ZDF.

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