Online-Musikkauf
Musicload bringt Mobilfunk und Internet zusammen

Der Online-Musikkauf soll bald so einfach werden wie der Kauf einer CD aus dem Regal. Die Telekom-Töchter T-Mobile und Musicload haben auf der Funkausstellung in Berlin eine Technik vorgestellt, die es deutlich einfacher machen soll, Musik online zu kaufen und auf verschiedenen Geräten abspielen zu können. Und besonders aktive Musikfans werden sogar noch belohnt, wenn sie ihre Musik per Internet oder Mobiltelefon weiterverbreiten. Kauft der Empfänger das Lied auch, bekommt der Absender eine Provision.

BERLIN. Die beiden Partner wollen jetzt einen Testlauf mit einigen tausend Nutzern starten. Auf einen Termin an dem das System letztlich online gehen soll, wollte man sich jedoch bei der Musikdownload-Plattform Musicload noch nicht festlegen.

Basis ist ein digitales Kopierschutz- und Rechtemanagementsystem (DRM) mit Hilfe von "OMA2" der Open Mobile Alliance. Es verbindet das von Musicload verwandte Windows-DRM mit dem Mobilfunk-DRM. Für den Nutzer bedeutet das, dass er einmal gekaufte Musik auf allen Geräten mit OMA oder Windows-DRM abspielen kann. Die auf weniger Geräte teilweise nur eines Anbieters eingeschränkte Abspielbarkeit online gekaufter Musik wie etwa bei Apples Musikshop iTunes war zuletzt auf politischer Ebene scharf kritisiert worden. Frankreich hatte sogar gedroht, per Gesetz eine gegenseitige Akzeptanz von Abspielstandards durchzusetzen. In letzter Minute war das "Lex Apple" aber doch gescheitert.

Trotzdem sieht Joachim Franz, Leiter Produktentwicklung bei Musicload, Insellösungen wie Apples iTunes langsam aber sicher ins Abseits geraten. "Apples DRM lässt eine Öffnung zu OMA nicht zu." Für ein eigenes Apple-DRM auf Mobiltelefonen werde es aber schwer werden, da OMA 1 bereits mit Abstand das am weitesten verbreitete System auf Handys ist. OMA2 werde also sicherlich große Unterstützung finden.

Mobiltelefon baut ine Bedeutung im Musikmarkt aus

Und das Mobiltelefon baut seine Bedeutung im Musikmarkt rasch aus: Rund 1,1 Mrd. Dollar wurden 2005 nach Angaben des internationalen Musikverbandes IFPI mit digitalem Musikvertrieb weltweit umgesetzt nach 380 Mill. Dollar im Vorjahr. Die Hälfte des Umsatzes wurde bereits über Mobiltelefone erzielt. Apple Deutschland, auch hier ist iTunes Marktführer im Internet-Download, wollte auf Anfrage des Handelsblatts den Vorstoß des schärfsten lokalen Konkurrenten nicht kommentieren.

Selbst die übliche Beschränkung auf "X erlaubte Kopien" soll bald aufgehoben werden, schwärmt Franz. In der neuen Musicloadwelt wird es einen Heimatpool von angemeldeten Geräten - etwa Laptops, PCs, Handys - geben, auf dem die Musik beliebig gespeichert und gespielt werden darf. Selbst einen "Familien- und Freundeskreis" soll es geben. Auch er darf dann - nach heutiger Planung - kostenlos die Musik hören. Damit würde eine digitale Variante der heute üblichen legalen "Privatkopie" entstehen. Was so ein "freies" Lied schließlich kosten werde, kann Musicload noch nicht sagen. Das entscheiden die Rechteinhaber, also die Musikfirmen. Jedenfalls ist Musicload heute schon im Schnitt teurer als Apples iTunes.

Besonders interessant ist für Franz die "Superdistribution". Dabei verschickt der Musikfan sein gekauftes Lied an andere - außerhalb des Familienkreises - weiter, per Internet, Bluetooth oder Mobilfunknetz. Die Empfänger können den Song teilweise hören. Entschließen sie sich zum Kauf, schreibt das Abrechnungssystem beim Verkäufer Bonuspunkte oder eine Provision gut, je nachdem wie es der Musikshop-Besitzer einstellt. Top-Chart-Hits könnten sich so in Windeseile unter den potenziellen Käufern verbreiten. Solche Systeme könnten "eine Menge unserer Vertriebsprobleme lösen", glauben auch Musikmanager wie Uli Järkel, von Sony BMG Deutschland.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
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