Open XML
Unruhe wegen DIN-Entscheidung für Microsoft-Format

Weltweit werden immer mehr Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Zertifizierung von Microsofts Open-XML-Format als ISO-Standard bekannt. Das schwedische Standardisierungsgremium hat sein Votum bereits für ungültig erklärt. Aus deutschen Unternehmenskreisen werden nun auch Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der Entscheidung des Deutschen Instituts für Normung (DIN) berichtet.

DÜSSELDORF. Die Verabschiedung von internationalen technischen Standards ist normalerweise kein besonders spannender Prozess. Technik-Experten entscheiden hinter verschlossenen Türen über für Laien eher wenig interessante Normen, wie der Beschaffenheit von Flachglas, Sicherheitsventilen oder Stahl. Die von Microsoft angestrebte Zertifizierung des Dokumentenformats mit dem Namen Open XML als ISO-Norm gerät allerdings zunehmend zum Politikum.

Einwände gegen den Standard gibt es vor allem aus zwei Gründen: Einerseits sei die mit 6 000 Seiten extrem unfangreiche Norm nicht herstellerunabhängig und daher nur von Microsoft wirklich umsetzbar, sagen Kritiker des Formats. Andererseits existiert mit dem Open-Document-Format (ODF) bereits ein von der ISO zertifizierter Standard für Dokumente, der beispielsweise von der Open-Source-Software Open Office unterstützt wird.

Microsoft verteidigt dagegen den Standard. „Der Umfang des Open-XML-Standards war ursprünglich wesentlich kleiner. Er ist im Rahmen der Zertifizierung durch die Standardisierungs-Institution ECMA auf diesen Umfang gewachsen, weil die Beteiligten an einigen Stellen noch Klarstellungsbedarf sahen", sagt Michael Grözinger, der Technologiebeauftragte von Microsoft Deutschland.

In zahlreichen Ländern stieg offenbar die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder in den Wochen der Entscheidung, ob das Format eine Empfehlung als ISO-Standard erhalten soll, sprunghaft an. Dabei soll es sich laut Medienberichten überwiegend um Microsoft-Partner handeln. In Schweden wurde die Abstimmung des höchsten nationalen Standardisierungsgremiums aufgrund einer doppelten Stimmabgabe bereits annulliert.

Microsoft wehrt sich gegen die Vorwürfe der Manipulation. „Was solche Verfahren betrifft, haben wir bei Microsoft weltweit ganz klare Richtlinien, an die wir uns halten. Das handhaben andere Länder meines Wissens nicht anders", sagt Grözinger.

Microsoft-Kritiker haben inzwischen eine » Weltkarte ins Netz gestellt, auf denen sie die Abstimmungsergebnisse aus den verschiedenen Ländern darstellen. Staaten, aus denen nach Ansicht der Kritiker gravierende Unregelmäßigkeiten berichtet wurden, sind darauf mit Totenköpfen gekennzeichnet. Dazu zählt nun auch Deutschland.

Hierzulande hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) sein Votum am 22. August abgegeben und mit Ja gestimmt. Der Berliner Rechtsanwalt Michael Schinagl von der Kanzlei » BDHSW erhebt jedoch schwere Vorwürfe gegen das DIN-Prozedere im Zusammenhang mit der Entscheidung: „Die Arbeitsweise des Gremiums erscheint nicht transparent und unfair“, sagte er gegenüber Handelsblatt.com. So sollen Vertreter der Deutschen Telekom und von Google mit Verweis auf die DIN-Regeln von der Abstimmung ausgeschlossen worden sein, weil sie an einer obligatorischen Beratungssitzung zuvor nicht teilgenommen hatten. Merkwürdig sei in diesem Zusammenhang jedoch, dass ein anderes Ausschussmitglied sein Votum abgegen durfte, obwohl der abstimmende Vertreter an der besagter Sitzung ebenfalls nicht teilgenommen hatte. Das wurde auf Anfrage von Handelsblatt.com aus Unternehmenskreisen bestätigt.

Microsoft-Manager Grözinger kann de Kritik dagegen nicht nachvollziehen. „Die Bildung der Arbeitsgruppe für das Normierungsverfahren war öffentlich. Jeder, der entsprechende Kompetenzen vorweisen konnte, war eingeladen, teilzunehmen“, entgegnet er.

DIN-Sprecher Jan Dittberner sagte Handelsblatt.com: „Richtig ist, dass zwei Personen, die eine Mitarbeit in dem Ausschuss beantragt hatten, nicht mehr ad hoc in den Mitarbeiterstatus gebracht werden konnten, weil das Gremium seine bewährte Aufnahmeprozedur angewendet hat.“ Um wen es sich dabei handele, sagte Dittberner indes nicht. Bei dem Vertreter, der abstimmen durfte, obwohl er bei einer obligatorischen vorangegangenen Beratungssitzung nicht anwesend war, handle es sich hingegen um eine Nachfolgeregelung. „Der Vorgesetze bleibt auch zukünftig Mitarbeiter in dem Ausschuss. Es handelte sich somit nicht um die Aufnahme eines neuen Mitarbeiters sondern um eine Nachfolgeregelung und die Gewährleistung der kontinuierlichen Mitarbeit einer – nicht nur in Sachen Open XML – aktiven Organisation“, erklärte der DIN-Sprecher.

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