„Post-Privacy“-Aktivist Heller
„Wir müssen die Daten-Monopole aufbrechen“

Datenschutz war gestern? Christian Heller ist ein Wortführer der „Post-Privacy“-Bewegung. Warum klassischer Datenschutz seiner Ansicht nach veraltet ist und was die Alternative darstellt, erklärt er im Interview.
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Ist das Thema Datenschutz überholt und nur noch eine Generationenfrage?
Ich glaube, dass zumindest die Denkansätze zum Datenschutz aus einem bestimmten Zeitalter stammen – und wir jetzt in einer Welt leben, in der man Fragen zum Umgang mit Informationen nicht mehr so angehen kann. Der klassische Datenschutz kommt aus einer Welt, in der man noch recht übersichtlich davon ausgehen konnte, dass Daten im Wesentlichen durch einige wenige zentrale, große Datenmaschinen gehen, die man kontrollieren konnte. Heute aber leben wir in einer Welt, in der Datenmaschinen klein, überall vorhanden und sehr schwer zu kontrollieren sind – und damit einer gewissen Anarchie unterliegen.

Dennoch gibt es ja auch in dieser Welt noch Leute, die gerne kontrollieren würden, was andere über sie wissen dürfen. Eine Illusion?

In gewisser Weise war das schon immer eine Illusion. Man kann natürlich versuchen zu beeinflussen, was andere über einen wissen – das geht auch heute noch. Es wird allerdings immer schwerer. Und zwar ganz einfach deshalb, weil wir von Möglichkeiten umgeben sind, Informationen einerseits zu sammeln und andererseits zu verbreiten. Diese sind von mir selbst immer schwerer zu kontrollieren. Ich kann vielleicht noch einigermaßen kontrollieren, was mein unmittelbares Umfeld über mich sagt und verbreitet, indem ich die Leute direkt anspreche – ich kann aber nicht mehr so leicht kontrollieren, was Maschinen auf der anderen Seite des Globus über mich verbreiten oder speichern.

Was sollte der einzelne tun, der bei alle dem nicht mitmachen möchte? Sich komplett aus dem Netz herausziehen?

Das impliziert, dass dies möglich wäre. Ich nehme aber eher wahr, dass immer größere Bereiche des Lebens in das Netz eingebunden sind. Einerseits natürlich durch eigenes Vorgehen – man legt sich selbst einen Facebook-Account zu, vielleicht auch aus sozialen Druck heraus. Andererseits aber auch dadurch, dass andere Leute sich Facebook-Accounts zulegen und dort Daten über sich und andere in die große Datenwolke einspeisen. Häufig reicht ja Kontextwissen aus, um Informationen über die Leute zu finden, die nicht explizit Daten von sich hineinstellen. Dadurch, dass wir immer mehr statistischen Wissen haben, können Korrelationen dazu zu verwendet werden, um Wissenslücken zu füllen. So wird es immer leichter mit dem anwachsenden Datenvorrat, Dinge ins Licht zu kehren, die bislang noch im Dunklen waren.

Und wie soll der einzelne damit umgehen, dem seine Privatsphäre wichtig ist?

Einerseits natürlich Vorsicht üben – was jeder Datenschützer ihm auch raten würde. Auf keinen Fall sich Illusionen hingeben, beispielsweise über die Sicherheit von Plattformen wie Facebook. Im Zweifelsfall immer davon ausgehen, dass Dinge, die man bei Facebook reinschreibt, sich letztlich über völlig unerwartete Kanäle verbreiten können. Ich würde ihm aber auch raten, zu akzeptieren, dass der Trend zur Transparenz anwächst – und vielleicht auch schon das eine oder andere Experiment mit Offenheit zur wagen. Ich habe zum Beispiel Teile meines Lebens punktuell öffentlich gestellt.

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Kommentare zu " „Post-Privacy“-Aktivist Heller: „Wir müssen die Daten-Monopole aufbrechen“"

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  • Wir sind voll transparent, als Gläsern. Na und?.

    Ich habe nichts zu verstecken und leben mein Leben so, dass es jeder sehen kann,q was ich mache oder will. Ich will auch keinen betrügen oder ausnehmen, als darf der andere ruhig wissen, was meine Absichten sind.

    Ich sehe mich als einen arbeitsamen und rechtschaffenen Menschen, der in einem Land lebt, was seinen Wohlstand durch Arbeit und Disziplin sich erarbeitet hat. Warum sollte ich Probleme mit Menschen haben, die meine Daten nutzen, um mir einen besseren Service zu bieten.

    zieht nich jeder das an, was wirklich zu ihm passt?

  • @ HB-Redaktion:
    Wie wählen Sie eigentlich Ihre Interview-Partner aus?
    Kann man ein Interview hier via Neckermann "bestellen"?

    Ihr Interview-Partner stellt in seinem CV in XING zur Berufserfahrung 11 lari-fari-Stationen dar.
    Eine schrottige Internetseite wird als "Journalist" tituliert. Ausbildung im Bachelor Studiengang abgebrochen.
    Mal dies, mal das. Was qualifiziert diesen Herrn (peinlicherweise Namensvetter zu mir) hier Aufklärung zum Datenschutz zu betreiben?

    (ich hätte wenigstens 5 Jahre mit Sehr Gut abgeschlossenes Studium zum Dipl.-Ing. inklusive Datensicherheit, Kryptografie, Betriebssysteme usw. vorzuweisen)

    Heute ist für mich das Fass übergelaufen:

    Nach über 12 Jahren in denen www.handelsblatt.de in diversen Browsern stets meine Startseite war ändere ich dies erstmalig und endgültig.
    Sie sind (leider!) mit starker Tendenz zur Niveaulosigkeit stetig schlechter geworden.
    Schade.
    Udo Heller, Radeberg

  • Hierzu fallen mir gleich 4 Kommentare ein:

    1. Das orthografische Unvermögen des Redakteurs beweist dessen Zugehörigkeit zur "Generation Doof".

    2. Der Interview-Partner stellt auf seiner Internetseite einen Tagesablauf dar der (leider) viele Probleme der heutigen Jugend wiederspiegelt:
    - Zocken bis früh morgens
    - Asozial pennen bis 13:00h
    - suchtbehafteter Konsum der Ersatz- und Scheinwelten
    - inhaltlich NULL
    (Herr Heller, Sie sind ein extrem schlechtes Vorbild!)

    3. Ein argumentativer Denkfehler im Interview: Wenn ich den Internet-Content-Anbietern die Geschäftsgrundlage entziehe dann werden diese nicht investieren und entwickeln.
    (in einfachem Deutsch: Monopol weg -> Investitionsinteresse weg)

    4. Mein Vater ist 75, hat einen Browser, aber weiß nicht was ein Cookie ist.
    Mein Sohn bediente mit 11 erstmals einen Browser. Er versteht heute mit 21 noch nicht was ein Cookie ist.
    Merken Sie etwas?

    PS: Viele Grüße, U. Heller

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