Reportage
Echt Grundig, aber made in Turkey

Auf der diesjährigen Funkausstellung in Berlin hat Grundig einen großen Auftritt. Der neue türkische Eigner Beko will mit der Traditionsmarke zu den Großen der Branche aufschließen. Eine Handelsblatt-Reportage.

ISTANBUL/NÜRNBERG. Das Werk von Beko ist gewaltig. Mehrere hundert Meter zieht sich das Firmengelände an der Autobahn südlich von Istanbul entlang. Die Fertigungsstraße ist blitzblank. Die Abläufe sind computergesteuert, die Büros nebenan ganz in Glas.

Ingenieure tüfteln an Technik, Produktdesigner entwerfen Gehäuse, Mechaniker montieren Geräte. 3 500 Mitarbeiter bauen hier das, was früher mal beste deutsche Wertarbeit war: Fernseher Marke Grundig.

Mit Stolz stapeln die neuen Grundigianer die Kartons mit dem weiß-blauen Schriftzug. Dank seiner ist Beko nicht länger ein anonymer Lieferant für Bildröhrenfernseher aus Europas Südosten, sondern Herr über eine weltberühmte Wirtschaftswundermarke "made in Germany". In Istanbul ist die Grundig-Welt noch in Ordnung.

In Fürth und Nürnberg, wo Grundig einst gegründet wurde, ist die Grundig-Welt nicht in Ordnung. Sie wurde aus den Werkstorangeln gehoben. 40 000 Menschen arbeiteten Mitte der 70er-Jahre hier für Max Grundig. 30 Jahre später lenkt das blaue Firmenschild den Blick jedoch auf ein ödes Werksgelände, das an eine verlassene Farm aus einem Western erinnert: Werkshallen verfallen, trockene Blätter wehen über den Boden, keine Menschenseele weit und breit. Ein deprimierender Ort.

Aber Grundig lebt noch. Auf der Internationalen Funkausstellung, die am Freitag in Berlin beginnt, wird Grundig einen großen Stand haben - viel größer als der von Eigentümer Beko. Denn für den türkischen Konzern ist die Marke Grundig die Eintrittskarte in den Premium-Markt. Um den nicht zu gefährden, hält sich Beko auf der Ifa fern von Grundig.

Seit seiner Schulzeit kennt Yagiz Eyüboglu Grundig, besuchte er doch in Istanbul einst das deutschsprachige Gymnasium. Nun hat ist er 38 und hat das Sagen. Als Grundig 2003 pleite war, übernahmen Türken die Unterhaltungselektronik - das Kerngeschäft. Einst war Beko nur Lieferant für Grundig, heute haben der türkische Konzern und die britische Vertriebsgesellschaft Alba Grundig für sich. Der Preis: 80 Millionen Euro.

Die neu gegründete Grundig Intermedia startet am 1. Mai 2004 mit knapp 200 Mitarbeitern. Vor der Insolvenz hatten rund 550 Mitarbeiter in der Sparte gearbeitet.

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