Roboterfußball-WM in Dortmund
Blechbüchsen auf Torjagd

Ballgefühl, Dribbelkünste und Kopfballstärke: diese Fähigkeiten sind den Kickern, die seit Freitag in Dortmund um den Weltmeistertitel kämpfen, völlig fremd. Denn beim Roboterfußball kommt es vor allem auf die richtige Programmierung an.

dpa DORTMUND. 51 Teams mit Studierenden und Wissenschaftlern aus 18 Ländern treten bis Montag in acht verschiedenen Kategorien bei der elften Roboterfußball- Weltmeisterschaft der „Federation of International Robot-soccer Association“ (Fira) gegeneinander an.

Deutsche Teilnehmer kommen von den Hochschulen in Dortmund, Paderborn und Soest. Dabei gehen vor allem kleinere Roboter in Würfel- und Zylinderform auf Torjagd. Die meisten Teilnehmer, die unter anderem aus Korea, China, Russland und England angereist sind, starten in der so genannten Mirosot-Klasse. „Das ist derzeit die schnellste Art des Roboterfußballs“, erklärt Turnierveranstalter Norbert Jesse vom Informatiklehrstuhl an der Universität Dortmund. So rollen die 7,5 Zentimeter hohen würfelförmigen Roboter bis zu fünf Meter pro Sekunde.

Gespielt wird fünf gegen fünf und elf gegen elf auf einem vier oder zwölf Quadratmeter großen Spielfeld. Dort sind die Roboter nach dem Anpfiff auf sich allein gestellt, ihre Konstrukteure dürfen lediglich das Startsignal geben. Eine Kamera über dem Spielfeld nimmt die Standorte der Roboterkicker auf und gibt sie an einen zentralen Computer weiter. Der entscheidet dann, welcher Roboter verteidigt und welcher zum Sturm auf das gegnerische Tor rollt.

Probleme mit der Aufstellung gibt es nicht. „Unsere Roboter sind auf allen Positionen gleich gut. Wenn ein Verteidiger den Ball bekommt, dann schaltet er um auf Sturm“, sagt Informatikstudent Marco Wickrath von den „Dortmund Droids“. Weil auch Roboter nicht immer mit fairen Mitteln spielen, vergibt ein menschlicher Schiedsrichter bei Fouls Freistöße und Elfmeter.

Die „Dortmund Droids“ haben sich vor dem Turnier große Ziele gesetzt: „Wir sind ein Geheimfavorit für das Halbfinale“, sagt Wickrath. 2002 wurden sie bereits Weltmeister. Die Dortmunder wollen vor allem mit ihrer Taktik überraschen. „Die meisten Teams blocken vor dem Tor und setzten dann auf Konterangriffe durch die Mitte. Wir spielen nach außen und flanken“, erklärt der 28-Jährige. Doch gleich beim ersten Spiel der koreanischen Roboter staunten die Dortmunder über deren Tempo und Beweglichkeit.

Veranstalter Norbert Jesse hält die asiatischen Mannschaften, die gut die Hälfte aller Teilnehmer der WM stellen, für die Favoriten: „Dort wird sehr viel Geld vom Staat in Leuchtturmprojekte wie Roboterfußball gesteckt“, erzählt er. In Korea ist Roboterfußball eine Art Volkssport. Dementsprechend ehrgeizig sind die Teams: „Wir lieben einfach Roboterfußball und deshalb verbringen wir viel Zeit mit den Maschinen und der Programmierung“, sagt Dong-Hun Lee von der Sungkyunkwan Universität. Im vergangenen Jahr wurde sein Team Vizeweltmeister hinter Singapur. Diesmal wollen sie den Titel: „Unsere Roboter sind die schnellsten, sehr stabil gebaut und können blitzartig reagieren.“

Für Organisator Jesse steht jedoch nicht der Wettkampf im Vordergrund: „Es geht darum, junge Leute für die Technik zu begeistern. Computerprogramme sind schwer sichtbar zu machen. Aber durch den Roboterfußball ist es möglich.“ Auf einem parallel stattfindenden Kongress tauschen sich Wissenschaftler über neue Entwicklungen in der Robotik aus.

Erst vor zwei Wochen war die Weltmeisterschaft eines anderen Roboter-Fußball-Verbandes zu Ende gegangen. Beim Bremer „Robocup“ waren 440 Teams aus 36 Ländern ebenfalls in mehreren Kategorien gegeneinander angetreten.

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