Rufschädigung im Internet
Ein „Kill“ kostet 30 Dollar

Neid, Missgunst und Lügen – sie alle lauern im Web und hat man sie erst einmal gegen sich, ist der Ruf innerhalb von Stunden dahin. Gründlich und für immer, denn das Web vergisst nichts. Es sei denn, man zwingt es dazu. Wie technische Dienstleister versuchen den guten Ruf im Internet zu verteidigen.

MOUNTAIN VIEW. Da lacht Michael Fertik nur trocken: „,Wer anständig lebt, muss im Web nicht um seinen Ruf besorgt sein?’ – Das ist der Witz überhaupt!“ Neider, Miesmacher, eifersüchtige Ex-Partner, Konkurrenten, gehässige Mitschüler, gefeuerte Manager – sie sind alle da draußen und wenn man in ihr Visier gerät, ist ein Ruf innerhalb von Stunden ruiniert. Gründlich und für immer, denn das Web vergisst nichts. Es sei denn, man zwingt es dazu. Und das macht der 29-jährige New Yorker mit seinem 2006 gegründeten „Reputation Defender“.

Fertik ist der Robin Hood der Blogosphäre, der Sherlock Holmes 2.0 der Datenbanken. Er hilft Menschen und Firmen, die sich zu Unrecht verfolgt oder im Web gedemütigt fühlen. Jeder kann in Google den eigenen Namen eingeben – und erlebt zuweilen eine unangenehme Überraschung. Aber dann die Verantwortlichen für üble Nachrede zu finden und anzusprechen, das ist eine andere Sache.

Dafür aber sind die 50 Mitarbeiter in den schlichten Büros direkt am lauten Highway 101 im kalifornischen Mountain View da. Sie finden heraus, wer hinter anonymen Blogs steht oder spüren den Namen des Webmasters der schlüpfrigen Foto-Webseite aus Katmandu auf, der in Wirklichkeit in Delmenhorst sitzt.

Denn ein harmloses Nacktfoto aus besseren Zeiten, anonym veröffentlicht, hat schon so manche Karriere beendet, bevor sie begonnen hat. Vom wütenden Ex ins Web gestellt, kommt die Quittung viele Jahre später. Dann etwa, wenn der Personalchef nicht nur den Lebenslauf der Bewerberin intensiv studiert hat. Eine ganze Branche hat sich darauf spezialisiert, für ihre Auftraggeber alles über eine Person zusammenzutragen, was man im Web finden kann.

Private Informationen, die ein Betroffener gar nicht selber eingegeben hat, und üble Nachrede werden ein ernstes Problem, bestätigt Udo Vetter, Rechtsanwalt in Düsseldorf und Autor des Lawblog (www.lawblog.de). „Oft stoßen Menschen nach Jahren durch Zufall auf Dinge, die ihnen schaden und eine Existenz vernichten können.“ Vetter kennt und vertritt beide Seiten: Opfer von Rufmord und Schmähkritik, aber auch zu Unrecht abgemahnte und mit Prozessen überzogene Webmaster und Blogger.

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