Sechs Fragen an: Joachim Schreiner
„Die eigene Infrastruktur ist überflüssig“

Rund um die Plattform ist eine lebendige Programmierer-Gemeinde entstanden. Im Handelsblatt-Interview äußert sich Jochim Schreiner, Area Vice President Central Europe bei Salesforce, zu der von Salesforce betriebenen Internet-Plattform Force.com – und den Einstieg des Unternehmens ins Cloud Computing.

Salesforce betreibt mit Force.com eine Plattform für Entwicklung und Betrieb verschiedener Anwendungen auf Abruf. Ist das der Einstieg ins Cloud Computing?

Bei Force.com haben wir den Ansatz weiterentwickelt, den wir seit jeher verfolgt haben. Wir fingen damit an, von uns entwickelte und betreute Software für das Customer Relationship Management anzubieten, die Unternehmen über einen Internet-Browser nutzen. Die Force.com-Plattform ist eine Möglichkeit, auch alle möglichen anderen Systeme über das Netz aufzubauen und zu betreiben – auch Systeme, die Salesforce nicht selbst programmiert. Ob wir das Cloud Computing nennen oder ob irgendeine Marketingabteilung dafür einen anderen Begriff definiert, ist nebensächlich.

Welche Bedeutung wird diese Art von Angeboten für die Computer-Branche haben?

Vor hundert Jahren musste jede Firma über eine eigene Infrastruktur zur Stromversorgung verfügen, die irgendwann durch das Stromnetz überflüssig wurde. Ähnliches sehen wir bei der IT. Hard- und Software-Infrastruktur wird zu etwas, das einfach verfügbar ist und über das man sich keine Gedanken mehr machen muss. Die Zeiten, in denen Firmen Software auf eigenen Rechnern installieren und pflegen müssen, sind vorbei.

Ist Ihr Projekt erfolgreich?

Unsere Partner haben bereits rund 800 Anwendungen bereitgestellt, und weitere 80 000 Softwareentwickler teilen inzwischen ihre Codes über Force.com. Ob sie das kostenlos tun oder Gebühren nehmen, ist ihnen selbst überlassen. Fest steht aber, dass rund um die Plattform eine lebendige Programmierer-Gemeinschaft entstanden ist.

Was bedeutet das für die Kunden?

Unternehmen, die ihre Anwendungen bei Force.com betreiben wollen, müssen nicht das Rad jedes Mal neu erfinden. Sie können wie in einem Baukasten die benötigten Bausteine für ihr Unternehmenssystem wählen. Ein wenig ist es wie beim Brunch: Ich mische die Anwendungen zusammen, die ich in diesem Monat brauche. Im nächsten Monat hole ich mir etwas anderes vom Buffett.

Welche Systeme bauen Firmen mit Hilfe von Force.com auf?

Electronic Arts hat mit dieser Infrastruktur beispielsweise IT-Systeme zum Recruiting und für den Einkauf errichtet. Motorola nutzt sie zur Zertifizierung seiner Partner. Dell war das erste Unternehmen, das eine unserer Anwendungen – eine Lösung namens Ideas – genutzt hat, um auf Grundlage der Force-Plattform Anregungen von potenziellen Kunden zu sammeln. Bis heute hat Dell mit seinem Online-Angebot ’Dell Idea-Storm’ 80 000 Anregungen erhalten.

Und was kam dabei heraus?

Eine der Anregungen, die am häufigsten geäußert wurde, war, dass sich viele potenzielle Kunden Dell-Rechner ohne Microsoft-Software wünschen und die Computer gerne mit Linux bedienen würden. Dell hat das aufgegriffen – inzwischen gibt es Computer des Unternehmens mit einem vorinstallierten Open-Source-Betriebssystem.

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