Second Life
Flucht aus dem zweiten Leben

Vom „Second Life“ versprachen sich Unternehmen viel: Das Tor in eine neue Welt des Online-Marketings sollte die virtuelle Welt eröffnen. Wer noch keine „Second Life“-Präsenz besaß, galt schnell als „out“. Inzwischen ist die Stimmung gekippt, das Rennen um die schnellste Flucht aus Second Life eröffnet. In den USA bahnt sich bereits ein neuer Trend an.

DÜSSELDORF. Am Mittwoch schließt die Deutsche Post ihre Filiale in der Online-Welt „Second Life“, deren Hype vor etwa einem Jahr begann (» Handelsblatt.com berichtete). Zuvor zogen sich schon bekannte US-Firmen wie der Computerhersteller Dell oder die Hotelkette Starwood aus dem virtuellen Leben zurück.

Bereits im August 2007 stellte auch Adidas seine Aktivitäten im „Second Life“ ein. Als Fehlschlag will man das Experiment in Herzogenaurach trotzdem nicht sehen: „Der Auftritt war ein Teil unseres E-Marketing-Mix. Dort findet eine rasend schnelle Entwicklung statt“, heißt es aus der Konzernzentrale gegenüber Handelsblatt.com. Auf einer eigenen Insel verkaufte das Unternehmen virtuelle Sportschuhe für je 50 Linden Dollar an die Bewohner der Online-Welt. Dabei gingen laut Adidas 25 000 Paar Schuhe über die Online-Ladentheke.

Angaben zu den Kosten will niemand nach außen kommunizieren. Überhaupt scheint dem Sportartikelhersteller der Ausflug in die digitale Welt des zweiten Lebens heute eher unangenehm: Das ganze sei ja schon lange her, detaillierte Gründe für den Rückzug will man nicht nennen. Dabei zeigte sich Unternehmenssprecher Oliver Brüggen noch im September 2007 zufrieden mit dem Auftritt seines Unternehmens im zweiten Leben.

Auch die Deutsche Post will trotz der nun bekanntgeworden Entscheidung nicht von einem Fehler sprechen. „Das Ziel ist erreicht worden“, sagt Unternehmenssprecher Uwe Bensien im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Mit der virtuellen Onlinepräsenz wollten wir eine neue Form des Marketings intensiv erforschen und neue Zielgruppen gewinnen“. Die virtuelle Postfiliale, welche dem Bonner Post Tower nachempfunden war, besuchten jedoch nur rund 10 000 digitale Einwohner. Sie konnten den Besuch dazu nutzen, reale Postkarten gegen Linden Dollar zu versenden. Wie viele „Second Life“-Bewohner davon Gebrauch machten, konnte Bensien allerdings nicht sagen.

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