Senioren und Handys
Klagen über Tasten und komplizierte Menüs

Maria Bohn kramt ihre Brille heraus. Zu klein sind die Tasten ihres Handys und die Schrift auf dem Display. Ihr Nachbar justiert sein Hörgerät und hält die vielen Geräusche im Handy-Kurs für Senioren von Helmut Flauger kaum aus.

dpa TRIER. "Bei allen technischen Fragen, die Menschen im Alter haben, gibt es die meisten Probleme mit dem Handy", berichtet der Trierer Seniorentrainer. Flauger lädt seit 2003 monatlich zur Technik-Sprechstunde für Rentner ins Seniorenbüro Trier ein. Da die meisten Fragen zur Bedienung von Mobiltelefonen kommen, bietet er seit einiger Zeit Spezialkurse zu dem Thema an.

Bundesweit sind die Kurzlehrgänge in vielen Volkshochschulen und und bei den Seniorenbüros inzwischen der Renner. Auch Handy-Händler und Netzbetreiber haben den Markt betuchter Senioren erkannt, während die jungen Nutzer über immer höhere Schulden klagen. "Ich kann die kleinen Tasten kaum bedienen", schimpft die 77 Jahre alte Triererin Maria Bohn. Auch die unverständliche Bedienungsanleitung bringt sie nicht weiter. "Ich brauche das Handy, wenn ich verreise und mit den Enkeln spazieren gehe", sagt Kursteilnehmerin Gerda Hub (66). Sie fühlt sich mit dem mobilen Telefon sicherer.

In dem Kurs von Flauger stehen den bis über 80 Jahre alten Teilnehmern auch junge Leute zur Seite. Sie erklären, wie eine Kurznachricht - SMS - geschrieben und verschickt wird oder nach welchen Grundsätzen das Menü funktioniert. Arbeitswissenschaftler an der Technischen Universität in Berlin haben herausgefunden, dass die Dialogtechnik auf verschiedenen Ebenen via Display zu kompliziert für ältere Menschen ist. Viele Senioren vermuten hinter einer Taste nur eine Funktion - doch diese Zeiten sind vorbei.

Seniorentrainer Flauger weiß nach vielen Kursen, "dass das ideale Handy für ältere Menschen erst noch gebaut werden muss". Zwar hat die Industrie inzwischen ein auch von der Deutschen Senioren-Liga gewürdigtes Mobiltelefon mit drei Tasten entwickelt. Bei dem Modell Vitaphone 1 100 können zwei Tasten beliebig mit Rufnummern zum Beispiel der engsten Familienangehörigen belegt werden, berichtet die Vitaphone Gmbh in Mannheim. Die dritte Taste ist für den Notruf reserviert. Doch aus Flaugers Sicht wird das auf Dauer nicht ausreichen. So können Handys einen zum Beispiel auch daran erinnern, Tabletten einzunehmen.

"Besonders viele Senioren wollen zudem mit ihren Enkeln mithalten - und über SMS kommunizieren", sagt der frühere Fernmeldetechniker. Ein Telefon zum Anrufen und Telefonieren zu benutzen, sei meist nicht das Problem, meint der 58 Jahre alte Ruheständler. In ein, zwei Tagen hat er seine Kursteilnehmer so weit, dass sie das Prinzip des Handys verstehen. "Irgendwann kommt der Aha-Effekt, dann vergisst man es nicht mehr."

"Die meisten Senioren bekommen ausgerechnet die alten Telefone von ihren Kindern, weil diese neue Modelle bevorzugen", sagt Flauger. Er rät zur genauen Suche nach dem passenden Modell und zur Beratung in den einschlägigen Geschäften. "Jeder Rentner hat andere Bedürfnisse, manche wollen nur erreicht werden können, aber nicht telefonieren." Für viele Menschen sei die Notruf-Funktion des Mobiltelefons am wichtigsten. "Deshalb könnte auch jeder, der ein Handy übrig hat, das Gerät ohne Karte Hilfebedürftigen wie zum Beispiel Obdachlosen überlassen, weil dann immer noch ein Notruf absetzbar ist", schlägt er vor. Wie Flauger lassen sich inzwischen viele Ruheständler über das Programm "Erfahrungswissen Für Initiativen" (EFI) zum Seniorentrainer ausbilden.

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