Human as a Service
Menschliche Arbeit aus der Cloud

Das Cloud-Prinzip erobert die IT-Welt. Nach Bedarf wird alles aus dem Netz eingekauft: Speicher, Rechenkraft, Anwendungen - und sogar menschliche Arbeit. Ein Modell für die Zukunft der Arbeit?
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DüsseldorfDas Prinzip des Cloud Computings lässt sich auf ein einfaches englisches Schlagwort bringen: "Everything as a Service" - alles wird als Service bereitgestellt, das heißt nach Bedarf über das Netz und leistungsbezogen abgerechnet. Es gibt Software "as a Service" ebenso wie Rechenkraft, Speicher, Laufzeitumgebungen - und menschliche Arbeitskraft.

"Human as a Service" (HaaS) beschreibt das Prinzip, nach dem die Erledigung kleiner Aufgaben durch Menschen über das Internet organisiert werden. Dieses auch Crowdsourcing genannte Prinzip verfolgt beispielsweise txteagle, ein Projekt der Havard-Universität.txteagle will die Art, wie wir in Zukunft Arbeit organisieren, revolutionieren. Das Havard-Projekt verspricht das Arbeitskräftepotential von 2,1 Milliarden Menschen aus Schwellenländern verfügbar zu machen. Dazu stellen Unternehmen Aufgaben wie Übersetzungen, die sich in kleine Blöcke aufteilen lassen, in das Projekt ein - und Teilnehmer an dem Projekt lösen sie nebenbei auf dem Mobiltelefon. So kann jeder, der ein Handy besitzt, diese Arbeit nebenbei verrichten. Egal ob derjenige gerade auf den Bus wartet, als Massai-Stammesmitglied eine Herde hütet oder als Student zwischen zwei Kursen etwas Zeit hat. Die Firma ist inzwischen Kenias größter Arbeitgeber.

Auch der Online-Händler und Cloud-Anbieter Amazon bietet einen solchen kommerziellen Crowdsourcing-Dienst unter dem Namen "Mechanical Turk" an - eine Anspielung auf den sogenannten Schachtürken, einem vorgeblichen Schachroboter aus dem 18. Jahrhundert. Das Gerät des Hofbeamten und Mechanikers Wolfgang von Kempelen sorgte am Hofe für großes Erstaunen, da es den Eindruck erweckte, hier spiele eine künstliche Intelligenz gegen einem Menschen Schach. In Wirklichkeit wurde der Schachtürke jedoch von einem kleinwüchsigen Menschen bedient.

Ähnliches soll Amazons mechanischer Türke ebenfalls bieten: Die Illusion, dass hinter der Fassade die Arbeit von Maschinen ausgeführt wird, denn der Prozess der Arbeitsvermittlung wird komplett automatisiert. Wie das in der Praxis aussieht, kann jeder sehen, der Amazons iPhone-App nutzt: Fotografiert der Nutzer mit dem iPhone einen Gegenstand, wird mit Hilfe von Amazons "Mechanical Turk" dieses oder ein ähnliches Produkt aus Amazons Angebot herausgesucht.

Zu dieser Arbeit ist noch keine künstliche Intelligenz in der Lage - doch der Anwender merkt davon nichts. Der Service wirkt wie durch von magischer Hand durch Computer verrichtet - so wie der Schachtürke des 18. Jahrhunderts. Amazon nennt seinen "Mechanical Turk" daher auch gleich konsequenterweise eine "künstliche künstliche Intelligenz".

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