Software AG
"Für die Cloud nehmen wir viel Geld in die Hand"

Die Darmstädter Software AG steckt jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau von Cloud-Computing-Lösungen für Unternehmen. Umfragen belegen eine steigende Nachfrage. Erste Produkte sollen im September auf den Markt kommen, kündigte Vorstandsmitglied Wolfram Jost im Gespräch mit Handelsblatt Online an.

Sie haben eigene Cloud-Computing-Dienste für das dritte Quartal dieses Jahres angekündigt. Welche Dienste werden das sein und gibt es ein konkreteres Datum?

Wir kündigen drei Cloud-Dienste für September dieses Jahres an. Ein erster Schritt wird die Beratung unserer Kunden sein. Das nennen wir den "Cloud Readiness Check". Dabei sollen unsere Kunden prüfen lassen können, ob sie ihre bestehende Software überhaupt ohne Weiteres in die Cloud geben können. Wir können dann auch Vorschläge machen, was dafür noch getan werden müsste.

Der zweite Dienst wird die sogenannte "Cloud Integration" sein. Wir verbinden die traditionelle Software, die im Unternehmen läuft ("on-premises Software") und die Cloud-Dienste ("off-premise") so miteinander, dass sie in einen Prozess integriert sind.

Es gibt ja beispielsweise Unternehmen, die ein SAP ERP [Enterprise-Resource-Planning oder Unternehmens-Informationssystem, Anm. d. Red.] nutzen und gleichzeitig das Salesforce.com Customer Relationship Management aus der Cloud nutzen. Diese beiden Dinge müsste man integrieren, um auch hier eine durchgängige Prozessverarbeitung zu erreichen und das nennen wir "Cloud Integration". Das Unternehmen kann selbst entscheiden, welches Produkt es in die Cloud gibt.

Das dritte ist dann das Thema Cloud-Gouvernance. Wir wollen vermeiden, dass dadurch, dass jetzt Cloud-Dienste benutzt werden, ein Wildwuchs an Services existiert und der Überblick verloren geht. Alles muss einer Cloud-Gouvernance-Struktur unterliegen, damit klar ist, wer welche Zugriffe hat.

Warum sollte ich das über die Software AG nutzen? Gibt es nicht schon andere Anbieter, die Cloud-Dienste anbieten?

Da wäre ich vorsichtig, ob es so etwas schon gibt. Es gibt andere Anbieter, die bereits in diese Richtung gehen. Aber ich habe noch einen weiteren Punkt: Wir haben mit dem Thema Cloud Gouvernance nicht nur eine technische Innovation verbunden sondern wir haben ja auch dieses neue Organisationskonzept. Wir glauben, dass das Thema Cloud mehr ist, als eine technische Innovation und mehr ist als ein Business Modell, um Kosten zu sparen.

Die Einführung von Cloud-Services in dem Bereich, in dem wir sind, hat auch die Art verändert, wie Mitarbeiter im Unternehmen zusammenarbeiten. Und für dieses Organisationskonzept haben wir den Begriff "Extreme Collaboration" gewählt. Im Consumerbereich, sehen wir das ja an den Facebooks und Twitters dieser Welt. Das gleiche sehen wir aber auch im Enterprise-Umfeld. Die große Frage der Gegenwart ist: Wie arbeiten Businessleute und IT-Leute künftig zusammen, dass diese Zusammenarbeit auf neue Füße gestellt wird?

Zusammenarbeit in Unternehmen ist ja keine neue Idee. Wie wollen Sie die mit Hilfe des Internets verbessern?

Stellen Sie sich vor, wenn jemand einen neuen Geschäftsprozess entwickelt, dann ist das heute in der Regel so: Da sitzt dann einer in seinem Zimmer und versucht den Prozess zu definieren. Seine Ideen gibt er nach und nach in der Unternehmenshierarchie weiter. Alle nacheinander geschalteten Aktivitäten können aber auch über eine Cloud-enabled-Plattform, wie wir sie entwickeln, quasi kollaborativ erfolgen.

Das heißt, der Business Analyst, der Developer, der Process Worker und der Process Owner arbeiten kollaborativ an dem neuen Prozessmodell. Damit geht es schneller, es geht über Zeitzonen hinweg und die Qualität wird eine viel bessere sein. So etwas geht weit über Kostenersparnis und technische Dinge hinaus. SAP hatte damals Erfolg, weil sie eine betriebswirtschaftliche Innovation mit einer technischen Idee zusammengebracht haben. Und das wollen wir im Bereich Cloud auch tun.

Sie möchten dafür Amazons EC2-Dienste (Elastic Computer Cloud) nutzen, also ein Reseller-Modell. Könnte man von einem Unternehmen ihres Kalibers nicht eine eigene technische Infrastruktur erwarten?

Das ist nicht verwerflich, das ist sogar unserer Meinung nach gut. Es gibt ja diese Infrastruktur "as a service" bereits auf dem Markt. Das muss man doch nicht neu entwickeln. Es wird ein paar große Player geben, die diese Infrastruktur im Internet anbieten und die werden wir benutzen. Im ersten Schritt arbeiten wir hier mit Amazon zusammen. Im Prinzip nutzen wir die Amazon-Cloud um unsere Dienste darauf laufen zu lassen.

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