Surfen unterwegs
Schnelles Update im Auto

Der Zugang zum Web im Auto ist schon länger möglich. Allerdings stand das mobile Web-Surfen auf der Prioritätenliste der Hersteller bisher ziemlich weit unten. Ein Grund: Die Datenübertragungsraten im Mobilfunk waren zu gering. Jetzt basteln die Hersteller an der Vernetzung der Bordsysteme.
  • 0

DÜSSELDORF. Man schrieb das Jahr 2001, der Internet-Hype war kurz vor dem Höhepunkt. "Das Internet läuft nicht mehr. Es fährt." ,titelte BMW damals in einer Werbekampagne für sein Topmodell der 7er-Baureihe. Über das integrierte Mobiltelefon konnte dort der Fahrer einen Zugang zum Web herstellen.

Volkswagen konterte mit einem Sondermodell des Golf namens eGeneration, bei dem ein Taschencomputer von Hewlett-Packard über das Handy mit einem speziellen VW-Mobilportal kommunizierte. Ein ähnliches Angebot machte DaimlerChrysler für seinen Smart. Auf Knopfdruck und über das Funknetz konnten die Fahrer der Autos rund um die Uhr Routenempfehlungen, Börsennachrichten und E-Mails abrufen, bei BMW sogar Bankgeschäfte abwickeln. Die Begeisterung für die Technik war groß. 2010, prognostizierte der Verband der Automobilindustrie VDA damals, werde jedes zweite Neufahrzeug über eine eigene Internet-Adresse verfügen.

Seitdem ist das Thema Web-Surfen im Auto in der Prioritätenliste der Hersteller deutlich nach unten gerutscht. Ein Grund: Die Datenübertragungsraten im Mobilfunk waren zu gering. "Zudem waren die Kunden nicht bereit, für die Zusatzdienste zu bezahlen", erläutert Christian Ress, Elektronikexperte im Ford Aachen. -Forschungszentrum Bis auf BMW und Fiat hätten deshalb die meisten Autohersteller ihre Aktivitäten auf dem Gebiet in den vergangenen Jahren reduziert. Doch jetzt will BMW nachlegen. Zur Cebit geben die Bayern eine neue Kooperation mit Google bekannt: In den Autos der 5er- und 7er-Baureihe werden die Fahrer von ihrem Navigationsrechner künftig mit Google Maps zu Hotels und Restaurants gelotst.

Der Service ist ein Vorbote für das total vernetzte Auto der Zukunft. Für die Verbindung nach draußen sorgen internetfähige Kleincomputer und Smarthandys, die heute fast jeder mit sich führt. "Die Integration dieser Geräte in die Elektronikarchitektur der Fahrzeug beschäftigt uns sehr", berichtet Ford-Ingenieur Ress. "Wir wollen, dass nicht nur Fahrer und Fahrzeug miteinander kommunizieren, sondern beide auch mit der Umwelt", sagt Eckhard Steinmeier, Leiter Connected Drive bei BMW. Der automatische Notruf, der beim Auslösen des Airbags erfolgt, ist in den USA bereits Standard. In Europa soll ein solches System 2010 in allen Neuwagen Pflicht sein.

Die Datenverbindung ermöglicht es den Autoherstellern aber auch, die Fahrzeugelektronik auf dem neuesten Stand zu halten. Ein USB-Anschluss im Wagen, den BMW ab sofort anbietet, soll den Informationsaustausch erleichtern. Über ihn lassen sich neben der Lieblingsmusik auch neue Treiber für das neue Handy ins Fahrzeug laden. Innerhalb kürzester Zeit ändern sich Parameter, sodass neue Handys nicht mehr mit älterer Software im Auto kommunizieren können.

Daher haben sich Audi, BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Renault und VW im vergangenen Jahr darauf geeinigt, Fahrzeuge über den Funkstandard WLAN zu vernetzen. "Wäre in der Garage ein Hotspot verfügbar, könnte ich abends mein eigenes Hörprogramm zusammenstellen und mir Updates automatisch ins Auto schicken lassen", so BMW-Ingenieur Steinmeier. Mehr noch: Per Software-Update könnte der Fahrer seinem Wagen vor einer Fahrt in die Berge ein paar PS mehr spendieren. BMW erhofft sich davon auch Zusatzeinnahmen - die Computerprogramme gibt es nicht zum Nulltarif. Im Gegenzug wollen die Autohersteller die Verbindung nutzen, um Fahrzeugdaten auszulesen. Volvo will eine solche Ferndiagnose ab 2008 anbieten.

Auto- und Computerindustrie rücken so immer enger zusammen: Microsoft hat mit Fiat und Ford sowie dem Autozulieferer Continental Kooperationen geschlossen. Der Softwareriese macht aus seinen Absichten keinen Hehl: Windows CE for Automotive soll Weltstandard werden.

Kommentare zu " Surfen unterwegs: Schnelles Update im Auto"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%