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T-Aktionäre nehmen Schluck aus Dividendenpulle

Die gebeutelten T-Aktionäre dürfen in dieser Woche wieder lächeln.

dpa BONN. Die gebeutelten T-Aktionäre dürfen in dieser Woche wieder lächeln. Erstmals seit zwei Jahren steht auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom in Hannover (Dienstag) ein Punkt auf der Tagesordnung, der ihnen Freude machten wird: Abstimmung über die Ausschüttung einer Dividende von 0,62 Euro je Aktie. Und wenn das Geschäftsjahr 2005 so läuft, wie es Vorstandschef Kai-Uwe Ricke erwartet, werden sie im nächsten Jahr noch einen größeren Schluck aus der Dividendenpulle nehmen.

Doch viel mehr als ein Trostpflaster über den gewaltigen Kurseinbruch der T-Aktie ist die Ausschüttung kaum. Der Kurs bewegte sich in den vergangenen 52 Wochen ohne große Dynamik zwischen 15 und 16 Euro. Damit liegt die Aktie zwar über ihrem Ausgabekurs von 1996, ist aber weit entfernt von ihrem Höchststand im Frühjahr 2000 (104 Euro).

Fondsmanager von der DWS vermuten, dass die Unklarheiten über die Platzierungen weiterer Aktienpakete des Bundes den Kurs derzeit lähmen. Sie fordern deshalb mehr Transparenz und einen klaren Zeitplan für weitere Emissionen. „Der Aktienüberhang des Bundes schwebt wie ein Damoklesschwert über der Telekom“, sagt Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck & Co. Derzeit ist der Bund direkt und indirekt über die KfW-Bank noch mit rund 38 Prozent an der Telekom beteiligt.

Und dennoch ist beim größten Telekommunikationsunternehmen in Europa heute alles anders als früher. Unter Ricke hat sich der Konzern radikal gewandelt. Der Schuldenberg wurde bis Ende 2004 auf gut 35 Mrd. Euro abgetragen - binnen drei Jahren eine Halbierung der Verbindlichkeiten. 2004 erwirtschaftete der rosa Riese mit 4,6 Mrd. Euro wieder satte Gewinne. Und Finanzchef Karl- Gerhard Eick frohlockt: „Unsere Bilanzrelationen sind in einem Zustand wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr“.

Den Aktionären wird Ricke neben Zahlen auch die Neuausrichtung des Unternehmens und seine Wachstumsstrategien präsentieren. Die Herausforderungen sind groß. „Abschied vom Telefon - eine Revolution auf Raten“, titelte die „Wirtschaftswoche“ vor wenigen Tagen. Tatsächlich steht bei der Telekom vor allem die klassische Telefonie unter Druck. Die Umsätze in dem einst umsatzstärksten Segment brechen weg. Breitband heißt deshalb das Zauberwort.

Doch auf dem Markt für schnelle Internetanschlüsse (DSL) hat auch die Konkurrenz längst Fuß gefasst. „Nichts ist so vergänglich wie der Erfolg von gestern“, fasste Ricke bei der Bilanzvorlage im März die Aufgaben von heute und morgen zusammen. Die Vier-Säulen-Strategie ist passé. Kundenorientierter will die Telekom werden. So erhielten die Sparten einen neuen Zuschnitt und wurden in Mobilfunk, Geschäftskunden und Breitband/Privatkunden aufgeteilt.

Hierzu gehört auch die Wiedereingliederung der Internettochter T- Online in den Mutterkonzern. Auf der Hauptversammlung wurde der Punkt Verschmelzung allerdings von der Tagesordnung gekippt. Eine Abstimmung hierüber ist nicht mehr erforderlich, weil die Telekom bereits mehr als 90 Prozent an T-Online besitzt.

Das wird zwei Tage später auf der Hauptversammlung von T-Online anders sein. Hier ist Zustimmung nötig. Dabei muss sich der Vorstand auf herbe Kritik einstellen: Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kündigten ihren Widerstand an. Nach ihrer Ansicht wurden die T- Online-Aktionäre gründlich über den Tisch gezogen. „Gerade jetzt, wo T-Online wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist, sollen die Aktionäre ihre Anteilsscheine abgeben“, schimpft DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker.

Hatten die Aktionäre beim Börsengang für ein T-Online-Papier noch 27 Euro gezahlt, gab es für die Umtauschwilligen nur noch 8,99 Euro Bares je Aktie. Und noch schlechter stellen sich jene, die die Barofferte ausschlugen und jetzt zwangsweise zu T-Aktionären gemacht werden. Für eine T-Online-Aktien gibt es 0,52 T-Aktien, was auf den heutigen T-Online-Wert umgerechnet knapp 8 Euro entspricht. Für die Telekom geht die Rechnung auf: Insgesamt dürfte die Übernahme rund drei Mrd. Euro kosten - T-Online hat aber allein vier Mrd. Euro in der Kasse.

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