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Telekom droht erneut Schlappe vor Regulierungsbehörde

Auf die Deutsche Telekom ist Jürgen Grützner in diesen Tagen nicht gut zu sprechen: „Völlig überzogen“ nennt der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten Vatm die Forderungen des Ex-Monopolisten, die monatliche Miete für die Anschlussleitung zum Endk...

dpa BONN. Auf die Deutsche Telekom ist Jürgen Grützner in diesen Tagen nicht gut zu sprechen: „Völlig überzogen“ nennt der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten Vatm die Forderungen des Ex-Monopolisten, die monatliche Miete für die Anschlussleitung zum Endkunden (TAL) auf 17,40 Euro anzuheben.

Fast 50 Prozent mehr als die 11,80 Euro, die Telekom derzeit ihren Konkurrenten für die Vermietung der Doppelkupferader auf der letzten Meile abknöpfen darf. Und die Wettbewerber finden ohnehin, auch dieser Preis lasse ihnen kaum Luft zum Atmen.

Seit einigen Wochen liegt der Antrag auf eine Erhöhung bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Die intensive Prüfung habe erst begonnen, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, in einem dpa-Gespräch. „Wir werden sach- und kostenorientiert entscheiden, wie wir das in der Vergangenheit gemacht haben“, verspricht er.

Für den Vatm und die Konkurrenten der Telekom geht es um viel. Die TAL-Miete gilt schlechthin als die „Mutter aller Vorleistungen“. Sie bestimmt letztendlich die Margen und damit über wettbewerbsfähige Produkte im Markt. Der Regulierer habe es jetzt in der Hand, die Weichen für einen kräftigen Investitionsschub zu stellen oder den Fuß auf der Bremse zu lassen. „Mit der bevorstehenden Entscheidung wird die Behörde zeigen, ob sie den Infrastrukturwettbewerb wirklich fördern will“, mahnt der Vatm-Geschäftsführer.

Die Miete für den Teilnehmeranschluss, die Ende April neu festlegt wird, ist nicht zum ersten Mal Stein des Anstoßes. Vor zwei Jahren wurde der Preis auf 11,80 Euro reduziert, nicht gerade zur Freude der Telekom. Auch die Konkurrenten murrten, die Absenkung war ihr nicht hoch genug. Und heute verlangen sie einen Preis von deutlich unter 10 Euro. „Die Kosten für die starre Leitung sind bei uns konstant geblieben, wir fordern heute nicht mehr als damals“, sagt Telekom- Sprecher Winfried Seibel.

Der Regulierer fühlt sich durch die Entwicklung der Märkte hin zu mehr Wettbewerb in seiner Arbeit unterdessen bestätigt. Mit der TAL sei ein Vorprodukt zur Verfügung gestellt worden, das dem Breitbandmarkt (DSL) entscheidend zum Durchbruch verholfen habe, betonte Kurth. Tatsächlich haben die Konkurrenten im DSL-Geschäft inzwischen Boden gut gemacht. „Die schwierige Ausgangslage der Wettbewerbsunternehmen im Festnetz erhielt durch das starke Wachstum des Breitbandmarktes entscheidende Impulse“, bilanzierte Kurth unlängst bei der Vorlage des Jahresbericht 2004.

Eigentlich gibt es für den Vatm auch wenig Grund zum Jammern: Von fast sieben Mill. Breitbandanschlüssen entfielen 2004 immerhin schon 20 Prozent auf die Telekom-Wettbewerber. Tendenz steigend: In diesem Jahr wollen sie dem Platzhirsch weitere Marktanteile abjagen. Welche Preise inzwischen möglich sind und welche Produktpakete geschnürt werden, zeigen die Wettbewerber zu Hauf: Ein Isdn-Anschluss mit DSL- Zugang und Internet-Pauschaltarif ist schon monatlich unter 40 Euro zu haben und eine Telefonflatrate für weniger als 20 Euro im Markt.

Dass der Wettbewerb jetzt wieder zurückgeschraubt und die TAL- Miete angehoben wird, halten Branchenexperten für unwahrscheinlich. Damit droht der Telekom erneut eine Schlappe vor der Regulierungsbehörde. Konzernchef Kai-Uwe Ricke hat schon einmal vorgebaut: Mit dem Programm Re-Invent soll die T-Com noch effizienter und innovativer werden und künftig ganz im Dienst der Kunden stehen.

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