US-Lauschbehörde NSA hilft Unternehmen
Neues Betätigungsfeld

In den Neunzigerjahren, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, musste sich die amerikanische Lauschbehörde NSA ein neues Betätigungsfeld suchen. Nun hilft sie amerikanischen Unternehmen im globalen Wettbewerb.
  • 0

WASHINGTON. Die Manschetten seines makellos weißen Hemdes zieren goldene Knöpfe mit dem Wappen des US-Präsidenten. „Die hab ich von Bill Clinton bekommen", sagt James Bamford. Der Mann mit dem perfekt sitzenden blauen Blazer, dem sauber getrimmten Schnurrbart und den korrekt gekämmten spärlichen Haaren gilt als der intimste externe Kenner der National Security Agency (NSA), der amerikanischen Lauschbehörde, die vor einem Jahr plötzlich und ungewollt in die Schlagzeilen rückte. Die Tageszeitung „New York Times" hatte enthüllt, dass Präsident George Bush im Kampf gegen den Terror durch die NSA seine eigenen Landsleute abhorchen ließ - mit der NSA als Werkzeug. „Im Kalten Krieg hatten es die NSA-Agenten leichter, sie mussten nur korrekt entschlüsseln", sagt der ehemalige Navy-Offizier Bamford, der mit seinem Bestseller „Body of Secrets" etwas Licht in das Dunkel gebracht hat, mit dem sich die verschwiegene Agentur verhüllt.

Eine halbe Autostunde vor den Toren von Washington im Bundesstaat Maryland hat die Behörde ihre Zentrale. Eine eigene Abfahrt, die für die Öffentlichkeit gesperrt ist, führt vom Highway auf das Gelände von Fort Meade, das Stacheldrahtzäune umgeben. Wachmänner in schwarzen Uniformen patrouillieren zwischen Betonbarrieren, nachts scannen Bewegungsmelder die Umgebung. Das Hauptgebäude ist ein monolithischer Kasten mit einer undurchdringlichen schwarzen Glasfront, in der sich wie in einer reflektierenden Sonnenbrille der große Parkplatz widerspiegelt. Hier laufen die Informationen von Lauschposten aus aller Welt zusammen, hier stehen einige der leistungsstärksten Computer der Welt, hier entwickelt ein Heer von Top-Mathematikern Software, die aus dem Wust von Material wertvolle Hinweise herausfiltern soll.

Ob das gelingt, ob der gewaltige Aufwand in einer halbwegs vernünftigen Relation zum erzielten Ergebnis steht, das vermag zumindest extern niemand zu sagen. Rund 38 000 Leute arbeiten für die NSA. Fast alles aus der Agentur ist „Classified" - geheim, nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Angeblich hat die NSA zuletzt aber eine wichtige Rolle gespielt, wenn es darum ging, weitere Terroranschläge zu verhindern.

Seite 1:

Neues Betätigungsfeld

Seite 2:

Kommentare zu " US-Lauschbehörde NSA hilft Unternehmen: Neues Betätigungsfeld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%