Vodafone
Deutschland wird zum Testlabor

Für Fritz Joussen war es kein Tag wie jeder andere. Der Deutschland-Chef von Vodafone war am Dienstag als einziger Länderchef nach London zitiert worden, um sein Geschäftsmodell beim Strategietreffen des weltgrößten Mobilfunkers zu präsentieren.

Grund dafür: Im deutschen Markt spielt sich wie im Brennglas das ab, was für den globalen Konzern zur Überlebensfrage wird: Lässt sich die mobile Marktmacht auf das Festnetz ausweiten? Genau das, erklärte Joussen bei Vorlage der Jahreszahlen, sei sein Ziel.

Und im Rampenlicht steht auf einmal das ungeliebte Schmuddelkind von gestern: die Telefongesellschaft Arcor, zusammen mit Mannesmann D2 nach hartem Kampf 2001 übernommen und von Vodafone-Alt-CEO Chris Gent seither als Ballast empfunden. Lange stand der mit fast sieben Prozent Marktanteil größte heimische Konkurrent der Deutschen Telekom zum Verkauf. Er passte nicht ins Konzept des reinrassigen Mobilfunkers, der Telefongesellschaften mit Kupferdrähten als sterbende Dinosaurier belächelt hat.

Doch so dachte man, bevor DSL die Kommunikationslandschaft revolutionierte. Interne Erhebungen zeigen, dass heute 37 Prozent aller Interessenten "Vodafone Zuhause" (das Mobiltelefon als Ersatz für ein Festnetztelefon) ablehnen, weil sie lieber einen schnellen DSL-Zugang haben wollen. Einen Zugang, wie ihn Deutsche Telekom, 1&1 oder Freenet bieten - oder eben Arcor. Heute sagt Joussen: "Wir haben Arcor, und es bleibt erst einmal alles, wie es ist. Es ist nichts entschieden."

Ist es doch, ahnt Philipp Geiger von der Unternehmensberatung Solon: "Arcor gewinnt eine entscheidende strategische Bedeutung", ist er sich sicher. "Ein Komplettangebot ist die Überlebensstrategie für Vodafone."

Und Joussen soll im Testlabor Deutschland zeigen, wie Arcor Vodafone in das kritische DSL-Geschäft bringen kann, ohne dabei die eigene Kundenbasis zu gefährden. "Wir lassen keine Dritten DSL an unsere Kunden verkaufen", stellt er klar. Ein Luxus, vom dem seine Kollegen in anderen Ländern aber nur träumen können. Es gibt kein weiteres Festnetzgeschäft im roten Mobilfunkreich.

Joussen will noch vor Weihnachten ein Paket aus Mobilfunk und DSL in seinen Läden verkaufen. Bis Ende des Geschäftsjahres im März 2007 sollen zwei Millionen Kunden ihre Kommunikationsdienste von Vodafone/Arcor beziehen und 240 Mill. Euro zum Deutschland-Umsatz von derzeit knapp 8,4 Mrd. Euro beisteuern. Die Internetdienste vom Mobiltelefon ("Vodafone live") werden auf den PC gebracht, und Joussen denkt schon laut über den Online-Werbemarkt nach. Ein Markt mit "enormem Potenzial".

Was man vom Handy-Geschäft nicht sagen kann. Gerade mal 26 000 neue Kunden hatte Joussen in Deutschland im ersten Quartal 2006 begrüßen dürfen. Da wäre in Zukunft ein Stück vom großen DSL-Kuchen wirklich nicht schlecht.

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